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Verstoß gegen Widerrufsrecht: Foulspiel nach Kauf von Fußball-Fanartikel

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Online-Anbieter eurofussball.net ignoriert den Widerruf einer Kundin und droht ihr nach einer negativen Online-Bewertung mit einer Klage.
  • Mit Unterstützung der Marktwächter Digitale Welt fand dieser Fall nach über acht Monaten nun endlich ein Ende.
  • Widerrufsrecht: Wir erklären Ihre Rechte beim Einkaufen im Internet. Für individuelle Hilfe können Sie sich an Ihre Beratungsstelle der Verbraucherzentrale wenden.
Rote Karte
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Die WM steht kurz bevor. Viele Fußballbegeisterte decken sich noch schnell mit Fanartikeln ein. Beim Web-Shop eurofussball.net kann der Einkauf für den kurzen Spaß jedoch zum langfristigen Ärgernis werden. So geschehen im Fall einer Verbraucherin, die sich kürzlich an das Team der Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg wandte.

Automatisierte E-Mails statt Rückerstattung des Geldes

Bereits im September vergangenen Jahres hatte sie Fußball-Pins für 24,94 Euro bei eurofussball.net bestellt. Den Kauf hatte sie kurz darauf widerrufen und die Ware zurückgeschickt. Anstelle einer Antwort und der Rückerstattung ihres Geldes erhielt sie nur automatisierte E-Mails, in denen der fehlende Support zunächst mit Betriebsferien und später mit einer Betriebsumstellung begründet wurde.

Erst eine negative Shop-Bewertung, welche die Verbraucherin online veröffentlichte, veranlasste den Händler zu einer sofortigen Reaktion: Er drohte seiner Kundin, aufgrund ihrer Bewertung rechtliche Schritte gegen sie einzuleiten. Den Kaufpreis würde er erst nach Löschung der Bewertung zurückerstatten. Außerdem verlangte der Händler eine schriftliche Versicherung der Verbraucherin, die Firma „…zukünftig nicht mehr in Internetforen zu schädigen“.

Verstoß gegen das Widerrufsrecht – kein Einzelfall

Ein klarer Verstoß gegen das Widerrufsrecht, denn der Händler darf den Widerruf nicht an Bedingungen knüpfen. Um endlich zu einer Einigung zu kommen, löschte die Verbraucherin ihre Bewertung. Das Geld gab es dennoch nicht zurück.

Dieses Vorgehen scheint kein Einzelfall zu sein: Auf dem Bewertungsportal trustpilot.com und bei Google schildern mehrere Betroffene ähnliche Probleme mit dem Anbieter eurofussball.net.

Unterstützung der Marktwächter

Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Brandenburg baten den Händler hierzu um Stellungnahme. Doch der Anbieter wies jede Schuld von sich. Die negativen Bewertungen seien „größtenteils Fake oder Mitbewerber-Bewertungen“. Nach dem Schreiben der Marktwächter und einer weiteren negativen Bewertung der Verbraucherin erstattete der Shop dennoch plötzlich das Geld. Für über acht Monate Mühe und Ärger gab es am Ende ein „sorry“ und die Bitte, die Bewertung zu „begradigen“.

    Widerrufsrecht – Ihre Rechte beim Einkäufen im Internet

    • Bei Einkäufen im Internet steht Ihnen in den meisten Fällen ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu. Innerhalb dieser Frist können Sie sich ohne Angabe von Gründen wieder vom Vertrag lösen.
    • Ihre Widerrufsfrist beginnt zu laufen, sobald Sie die Ware vollständig erhalten haben und endet am selben Tag 14 Tage später. Sie können den Widerruf aber auch schon vor Erhalt der Ware erklären. Mehr Zeit, nämlich ein Jahr und 14 Tage haben Sie, wenn Sie falsch über das Widerrufsrecht belehrt wurden.
    • Wollen Sie von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen, senden Sie eine Widerrufserklärung per E-Mail, Post oder Fax und heben die Versand- bzw. Eingangsbestätigung gut auf. Sie können auch ein vom Online-Händler bereit gestelltes Widerrufsformular benutzen. Die kommentarlose Rücksendung des Warenpakets gilt dagegen nicht als wirksamer Widerruf.
    • Nach erfolgtem Widerruf müssen Sie die Ware binnen 14 Tagen wieder in Richtung Händler auf den Weg bringen, es sei denn dieser hat angeboten, die Ware abzuholen. Die Gefahr des Verlustes oder der Beschädigung der Ware auf dem Transportweg trägt der Händler.
    • Der Verkäufer ist zwar ebenfalls verpflichtet, Ihnen Ihr Geld innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Widerrufserklärung zurückzuzahlen. Er kann damit aber so lange warten, bis er die Ware von Ihnen zurückerhalten hat oder Sie ihm einen Einlieferungsbeleg zusenden.

    Mehr Informationen zum Thema Widerrufsrecht.

    Für individuelle Hilfe können Sie sich an Ihre Beratungsstelle der Verbraucherzentrale wenden.