Altersvorsorge: "Nummer sicher" immer unsicherer

Pressemitteilung vom

Noch immer vertrauen viele Verbraucher auf konservative Lösungen, wenn es um die Altersvorsorge geht. Knapp die Hälfte der Teilnehmer des Altersvorsorge-Tests der Verbraucherzentrale Brandenburg gehört zu den risikoscheuen Sparern. In Zeiten von Niedrigzinsen kann diese Strategie jedoch zum Problem werden.

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"Wie würde ich meine Altersvorsorge angehen?" Diese Frage stellte sich auch Johannes K. aus Potsdam und machte vergangene Woche den Typ-Test zur Altersvorsorge der Verbraucherzentrale Brandenburg. Insgesamt nahmen bislang rund 700 Personen am Test teil. Knapp die Hälfte davon erzielte das gleiche Ergebnis wie der Potsdamer: beständig und risikoscheu. "Ich gehe fast immer auf Nummer sicher", bestätigte Johannes K. Daher habe er auch überlegt, es so zu machen wie seine Eltern und eine Lebensversicherung abzuschließen. Doch in Zeiten niedriger Zinsen und bei hoher Kostenbelastung sind die altbewährten Vorsorge-Modelle immer weniger rentabel, warnt Erk Schaarschmidt, Jurist und Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale.

"In der aktuellen Niedrigzinslage sollten Sparer noch mehr auf die Kosten der gering verzinsten Sparprodukte achten. Denn es nützt nichts, ein Prozent Zinsen zu bekommen, wenn die Anlage zwei Prozent oder mehr im Jahr kostet. Zu einem solchen Verlustgeschäft kommen oft noch Verkaufsprovisionen hinzu", so der Experte. Und damit nicht genug: Weil die Garantien der klassischen Lebensversicherung viel Geld kosten, werden zunehmend fondsgebundene Versicherungen ohne Zinsgarantien unters Volk gebracht. "Neben dem erhöhten Kostenrisiko bei solchen Versicherungen trägt der Sparer dann meist auch noch zusätzlich das Verlustrisiko der Fonds", erklärt Schaarschmidt.

Dennoch sehen viele Verbraucher in Versicherungsprodukten immer noch eine bequeme Lösung. Sind sie erst einmal abgeschlossen, muss man sich bis zur Rente um kaum etwas kümmern. Das böse Erwachen kommt oft erst nach vielen Jahren: Arbeitslosigkeit, Ehescheidung, finanzielle Engpässe oder das Feststellen eines unrentablen Vertrages führen meist zur verlustreichen Kündigung eines auf Jahrzehnte ausgerichteten Vertrages. Daher sollten Verbraucher flexible Lösungen anstreben: "Dazu gehören täglich verfügbare Tagesgelder oder Sparbriefe von im Euroland ansässigen Banken mit Laufzeiten von bis zu zwei oder drei Jahren und Zinsen mit bis zu 1,3 Prozent jährlich. Die gesetzliche Einlagensicherung liegt bei 100.000 Euro je Kunde je Bank. Wer höhere Renditen erzielen will, muss entsprechend höhere Risiken eingehen. Mit kostengünstigen Indexfonds kann man zusätzlich langfristig in Aktien investieren, wenn zwischenzeitliche Kursverluste am Aktienmarkt akzeptiert werden. Aber Vorsicht: Nie alle Eier in einen Korb legen, sondern das Geld auf mehrere Anlagen verteilen", empfiehlt der Experte. Von stillen Beteiligungen oder geschlossenen Fonds rät die Verbraucherzentrale allerdings gänzlich ab, da das Risiko, das gesamte eingezahlte Geld zu verlieren, oft sehr hoch ist.

Termine zur Beratung gibt es unter 0331 / 98 22 999 5 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr) oder online unter www.vzb.de/terminbuchung.

 

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