Dritte kassieren über Telefonrechnung

Pressemitteilung vom

Man merkt es oft erst, wenn man seine Mobilfunkrechnung genauer kontrolliert: Dass man unseriösen Drittanbietern in die Falle gegangen ist, die monatlich über den Mobilfunkprovider Gebühren für fragwürdige Dienste eintreiben lassen. Wie Verbrau-cher in die Abofallen getappt sind, lässt sich oft nur schwierig nachvollziehen. Häufig reicht ein Klick auf ein Werbebanner in einer App. Deutlich schwieriger gestaltet sich die Rückforderung der Gebühren sowie der Abostopp. Michèle Scherer, Expertin für die digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt, was man tun kann.

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Was hat es mit sogenannten Drittanbietern auf sich?

Michèle Scherer: "Drittanbieter können alle Unternehmen sein, die ihre Leistungen über die Mobilfunkrechnung des Verbrauchers in Rechnung stellen. Das ist nicht zwangsläufig unseriös, Verbraucher können zum Beispiel Apps aus ihrem App Store darüber bezahlen. Leider machen es sich unseriöse Anbieter zu Nutze, dass der Mobilfunkkunde oft erst bei Prüfung seiner Mobilfunkrechnung merkt, dass er in eine Abofalle getappt ist."

Wie funktionieren solche Abofallen denn?

Scherer: "Auslöser für solche Fallen kann zum Beispiel ein Werbebanner für Klingeltöne oder Erotik-Dienste in einer App sein, das keine Angaben zu zahlungspflichtigen Inhalten enthält. Man möchte es einfach nur wegklicken, aktiviert damit aber ein Abo. Das ist so natürlich nicht rechtens. Aber wenn es passiert ist, nutzt den Betroffenen das Wissen darüber natürlich wenig. Denn durch den Klick wird die Rufnummer weitergeleitet. Über diese wird der Mobilfunkanbieter ermittelt, der seinen Kunden die Drittleistungen in Rechnung stellt. So können Drittanbieter Geld eintreiben, ohne Konto- oder Kreditkartendaten zu kennen."

An wen kann man sich wenden, wenn man unerwünschte Abbuchungen stoppen und zurückfordern möchte?

Scherer: "Verbraucher sollten sich innerhalb von acht Wochen nach Erhalt der Rechnung sowohl an ihren Mobilfunkanbieter als auch an den Drittanbieter wenden. Gegenüber beiden sollten sie die Forderung bestreiten, vorsorglich das Abo widerrufen und kündigen sowie bereits abgebuchtes Geld zurückfordern und einen Abbuchungsstopp verlangen.

Gerade gegenüber dem Mobilfunkanbieter sollten Kunden nicht lockerlassen, auch wenn diese sich nach Erfahrungen der VZB häufig für nicht zuständig erklären. Es kann nicht sein, dass Provider sich zu Handlangern einer unseriösen Industrie machen. Wir finden: Wer eine Zahlung verlangt, muss auch erklären wofür und kann insoweit nicht auf einen Dritten verweisen. Kürzlich hat das Landgericht Potsdam in einem konkreten Fall entschieden, dass sich Verbraucher nicht an den Drittanbieter wenden müssen, sondern ihre Forderungen gegenüber dem Mobilfunkanbieter geltend machen können (LG Potsdam, 26.11.15, Az. 2 O 340/14). Das beklagte Mobilfunkunternehmen hat allerdings Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt."

Was kann man tun, um sich vor solchen Abofallen zu schützen?

Scherer: "Jeder Mobilfunkkunde hat die Möglichkeit, bei seinem Mobilfunkanbieter kostenfrei eine Drittanbietersperre einrichten zu lassen. Dann wird die Identifizierung der Rufnummer zur Abrechnung für Dritte unterbrochen. Zur Einrichtung der Sperre hält die Verbraucherzentrale einen Musterbrief bereit.

Was muss man bei der Drittanbietersperre beachten?

Scherer: "Man muss sich im Klaren sein, dass man damit seine Mobilfunkrechnung für alle Drittanbieter sperrt, das heißt, man kann z.B. auch seriöse App-Einkäufe nicht mehr über diesen Zahlungsweg abrechnen. Jeder muss sich überlegen, ob er das möchte. Bei manchen Anbietern gibt es auch die Möglichkeit, eine Teilsperre zu beantragen. So kann man z.B. seinen Lieblings-Wetter- oder Musikstreamingdienst von der Sperre ausschließen."

Und wenn Verbraucher alleine nicht weiterkommen beim Kampf gegen unerwünschte Abokosten?

Scherer: "Wer eine individuelle Rechtsberatung zu Drittanbietern benötigt, kann einen Beratungstermin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg ausmachen, Termine gibt es am landesweiten Termintelefon unter 0331-98 22 999 5 (Mo-Fr, 9-18 Uhr) oder online unter www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/terminbuchung."

 

Über die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.
Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Medien & Telefon, Energie, Bauen & Wohnen. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht.
Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbrauchern gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf.

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