Marktwächter: Verstöße bei der Online-Kennzeichnung von Bioprodukten

Pressemitteilung vom

Marktanalyse der Brandenburger Marktwächter zeigt: E-Food etabliert sich zunehmend am Markt

Im Jahr 2016 untersuchte das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Branden-burg erstmals den Lebensmittel-Onlinehandel. Die aktuelle Folgeuntersuchung zeigt, dass der Markt weiter dynamisch wächst: Mehr Händler verkaufen Lebensmittel über das Internet, bestehende verändern ihr Sortiment. Neue Angebote wie vegane Produkte treffen auf großes Interesse der Verbraucher. Mängel fanden die Verbraucherschützer bei Anbietern von Bioprodukten. Nicht alle Händler kommen ihrer Kennzeichnungspflicht nach.

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Im Jahr 2016 untersuchte das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg erstmals den Lebensmittel-Onlinehandel. Die aktuelle Folgeuntersuchung zeigt, dass der Markt weiter dynamisch wächst: Mehr Händler verkaufen Lebensmittel über das Internet, bestehende verändern ihr Sortiment. Neue Angebote wie vegane Produkte treffen auf großes Interesse der Verbraucher. Mängel fanden die Verbraucherschützer bei Anbietern von Bioprodukten. Nicht alle Händler kommen ihrer Kennzeichnungspflicht nach.
822 Lebensmittel-Online-Händler hatte das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg im Jahr 2016 identifiziert. Wie hat sich der Markt ein Jahr später entwickelt? Das untersuchten die Marktwächterexperten und fanden insgesamt 989 Lebensmittel-Online-Händler: „Der Markt hat sich innerhalb eines Jahres stark verändert. Einige Händler sind nicht mehr am Markt, während neue hinzugekommen sind. Insgesamt beobachten wir ein Wachstum von E-Food“, sagt Dr. Kirsti Dautzenberg, Teamleiterin des Marktwächters Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Hohe Dynamik im Markt für frische Produkte

„Auch die Anzahl der Lebensmittel-Online-Händler, die frische Produkte versenden, stieg seit dem Jahr 2016 von 179 auf 313 in 2017*. Es kamen nicht nur neue Händler hinzu, auch bestehende erweiterten ihr Sortiment und nahmen frische Produkte auf“, so Dautzenberg weiter.
Bei den Frische-Händlern dominieren nach wie vor die Verkäufer von Feinkost und Spezialitäten – Lebensmittel, die in den gewöhnlichen Auslagen der Supermärkte nicht zu finden sind. Doch auch vegane Lebensmittel liegen im Trend. So haben sich mehrere Händler etabliert, die ausschließlich vegane Ersatzprodukte vertreiben. Von den identifizierten Lebensmittel-Online-Händlern bieten bereits 20 Prozent frische vegane Produkte an**.

Verbraucher besuchen bevorzugt Online-Supermärkte

Die Marktwächter untersuchten auch die Besucherzahlen der Webseiten aller Online-Lebensmittel-Händler für die Monate Oktober bis Dezember 2017***. Gefragt bei den Nutzern waren insbesondere Online-Supermärkte, die ein umfangreiches Sortiment frischer Lebensmittel anbieten. Aber auch Feinkost-Händler und Anbieter von veganer oder sogenannter „Frei von“-Produkte (z.B. ohne Gluten oder Laktose) wurden in dem untersuchten Zeitraum häufig von Verbrauchern besucht.

Mängel bei der Kennzeichung von Bioprodukte

Sowohl bei 120 Online-Händlern, die vereinzelt Bioprodukte im Angebot haben, als auch 25 Biohändlern, mit ausschließlich oder überwiegend Bioprodukten im Sortiment, kommen nicht alle ihrer Kennzeichnungspflicht nach: „Nicht an allen Produkten wurde die notwendige Codenummer ausgewiesen. Sie weist auf die maßgebliche Kontrollstelle für die Bio-Zertifizierung hin“, so Dautzenberg. Hier liegt ein Verstoß gegen geltendes Recht vor.
Sophie Herr, Leiterin des Teams Lebensmittel beim Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. stellt klar: „Alle Online-Händler, die Bioprodukte vertreiben, haben ihrer Zertifizierungspflicht nachzukommen. Sie müssen dem Verbraucher am Produkt die Codenummer zur Verfügung stellen, damit er die maßgebliche Kontrollstelle für die Bio-Zertifizierung erkennen kann. Nur so entspricht die Kennzeichnung der im stationären Handel.“ Das Team der Marktwächter der Verbraucherzentrale Brandenburg wird den Verstößen rechtlich nachgehen.
Weitere Ergebnisse der Untersuchung und Details zur Methodik finden Sie hier.

Methodik
* Die Websuche nach Lebensmittel-Online-Händlern erfolgte über die Ermittlung von  relevanten Keywords und einer systematischen Google-Suche. Weitere Details zur methodischen Vorgehensweise der Online-Recherche finden sich im Ergebnisbericht.
** Die Kennzeichnung der veganen Produkte war nicht Gegenstand der Untersuchung. Bei der Erhebung wurden erstmalig sehr häufig frische vegane Ersatzprodukte vorgefunden. Sie wurden deshalb als gesonderte Warengruppe in die Untersuchung aufgenommen.
*** Die Ermittlung der Zugriffszahlen auf die Webseiten der Frischehändler erfolgte über similarweb.com (Free Pro Version). SimilarWeb ist eine Plattform, die Big Data Technologien nutzt, um Statistiken über die Nutzung von Webseiten zu messen und zu analysieren. Methodisch basieren die angegeben Werte auf statistischen Schätzwerten.

 

Über den Marktwächter Digitale Welt
Der Marktwächter Digitale Welt ist ein Frühwarnsystem mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den digitalen Markt aus Perspektive der Verbraucher beobachten und analysieren. Grundlage für diese Arbeit sind Verbraucherbeschwerden, empirische Untersuchungen und ein Onlineportal. Mit dem Marktwächter Digitale Welt können auch Aufsichts- und Regulierungsbehörden wie zum Beispiel die Bundesnetzagentur (BNetzA) bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Der Marktwächter Digitale Welt setzt sich aus fünf Schwerpunktverbraucherzentralen zusammen, die jeweils ein Handlungsfeld des digitalen Marktes näher untersuchen: Bayern – Digitale Dienstleistungen, Brandenburg – Digitaler Wareneinkauf, Nordrhein-Westfalen – Nutzergenerierte Inhalte, Rheinland Pfalz – Digitale Güter und Schleswig Holstein – Telekommunikationsdienstleistungen. Der Marktwächter Digitale Welt wird finanziell gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

Über die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.
Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Digitales & Telekommunikation, Energie, Bauen & Wohnen. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht.
Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbrauchern gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf.

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