Patienten müssen sich wehren können

Pressemitteilung vom

Verbraucherzentrale fordert: Patientenberatung in Brandenburg auf sichere Beine stellen

59 Prozent der Brandenburgerinnen und Brandenburger wissen nicht, an welchen Dritten sie sich bei Problemen mit einem Arzt oder einer Krankenkasse wenden können. Das zeigt eine aktuelle Repräsentativbefragung der VZB. Doch Patienten benötigen unabhängige Beratungsmöglichkeiten, die ihnen gegenüber Krankenkassen und Ärzten den Rücken stärken. Die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) fordert deshalb eine Stärkung unabhängiger Beratungsangebote im Bundesland. 

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Ob Ärger mit Krankenkassen, weil diese Leistungen verweigern, oder Probleme mit Ärzten, die ihren Patienten teure Zusatzleistungen verkaufen wollen – Aufreger im Gesundheitssystem für Patienten gibt es zur Genüge.

Dabei wissen rund 59 Prozent der Brandenburger auf Anhieb überhaupt nicht, an wen sie sich bei Problemen mit einem Arzt oder einer Krankenkasse wenden würden, wenn sie diese nicht direkt mit dem Verursacher lösen können. Einige denken bei diesem Thema spontan an die Verbraucherzentrale, gezielter nachgefragt ist es sogar fast jeder Fünfte. Allerdings kann die Verbraucherzentrale in Brandenburg in diesem speziellen Bereich aus Kapazitätsgründen gar nicht tätig sein, obwohl sie gemäß Sozialgesetzbuch zu den maßgeblichen Organisationen zur Wahrnehmung von Patienteninteressen zählt. Dr. Christian A. Rumpke, Geschäftsführer der VZB, sagt: „Patienten benötigen unabhängige Beratungsmöglichkeiten, die ihnen gegenüber Krankenkassen und Ärzten den Rücken stärken. Für ein solches Sprachrohr bedarf es landesweit einer adäquaten Struktur, die es momentan nicht gibt.“

Unabhängige Patientenberatung in Brandenburg fragwürdig

Das Engagement der VZB für eine bessere Ausstattung unabhängiger Beratung ist auch auf Grund der ihrer Meinung nach eingetretenen Schieflage der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) nötig. Denn das Sozialgesetzbuch sieht eine unabhängige Patientenberatung als Regelleistung für alle Versicherten in Deutschland vor. Ursprünglich war die UPD bundesweit durch gemeinnützige Verbände zur Wahrnehmung der Interessen von Patienten getragen worden: unter anderem durch Verbraucherzentralen gemeinsam mit Sozialverbänden. Im Jahr 2015 vergab der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen bundesweit die Trägerschaft der UPD aber an den privaten Gesundheitsdienstleister Sanvartis, der für Krankenkassen und Pharmafirmen Callcenter betreibt. Mittlerweile ist Sanvartis Medienberichten zufolge in den Besitz einer Holding unter Führung eines Pharma-Hegdefonds übergegangen. Die Verbraucherzentralen haben die Vergabe des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen an Sanvartis im Jahr 2015 massiv kritisiert, da sie zu Lasten der Patienten die Unabhängigkeit in Gefahr sahen. „Unter den neuen Bedingungen ist nun noch fraglicher, ob die UPD ihre gesetzlich verankerte Unabhängigkeit bewahren und gute Hilfe leisten kann“, so VZB-Geschäftsführer Dr. Christian A. Rumpke. „Wir fordern daher die Landesregierung auf, Institutionen in Brandenburg zu stärken, damit diese die Rechte von Patienten gegenüber Anbietern wirksam vertreten können. Und die Rechtsgrundlage für die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) muss geändert werden, um die Trägerentscheidung nicht länger beim GKV-Spitzenverband zu belassen.“

Wahlen – verbraucherpolitische Forderungen der Verbraucherzentrale Brandenburg
Die Verbesserung der Patientenberatung im Land ist eine von zwölf verbraucherpolitischen Forderungen der Verbraucherzentrale Brandenburg im Kontext der Landtagswahl 2019 in Brandenburg, nachzulesen im Internet unter:
www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/wahl-2019/landespolitische-forderungen. Im Vorfeld der Wahlen werden regelmäßig einzelne Forderungen vorgestellt. Unter www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/wahl-2019 finden Interessierte den verbraucherpolitischen Forderungskatalog und das Wahl-Tagebuch der VZB.

Methodik
Die VZB hat durch die Insa Consulere GmbH 1.000 Brandenburgerinnen und Brandenburger (Wohnbevölkerung ab 18 Jahren) befragen lassen. Die bevölkerungsrepräsentative Telefonbefragung wurde vom 7. bis zum 25. Januar 2019 durchgeführt. 

Detaillierte Ergebnisse

Frage: An wen würden Sie sich bei Problemen mit der Leistungserbringung von Ärzten oder Krankenkassen am ehesten wenden, wenn Sie dies nicht selbst mit dem Arzt oder der Krankenkasse lösen können? (ungestützt bzw. spontan – ohne Vorlesen von Antwortmöglichkeiten)

Antwort

Anzahl

Anteil

Gesamt

1.000

 

Gesundheitsamt/-ministerium

18

1,8%

Ärztekammer

67

6,7%

Verbraucherzentrale

47

4,7%

Unabhängige Patientenberatung

17

1,7%

Schlichtungsstelle

63

6,3%

Anwalt

95

9,5%

Anderes: Verwandte / Bekannte

24

2,4%

Anderes: Versicherung

12

1,2%

Anderes

25

2,5%

weiß nicht

585

58,5%

keine Angabe

47

4,7%


Über die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg e.V. (VZB) ist die wichtigste Interessenvertretung der Brandenburger Verbraucher gegenüber Politik und Wirtschaft. Sie bietet unabhängige Verbraucherberatung, -information und -bildung zu zahlreichen Themen: Markt & Recht, Reise & Freizeit, Finanzen & Versicherungen, Lebensmittel & Ernährung, Digitales & Telekommunikation, Energie, Bauen & Wohnen. Zudem berät sie zu deutsch-polnischem Verbraucherrecht. 
Darüber hinaus mahnt die VZB Unternehmen ab, die zu Ungunsten von Verbrauchern gegen geltendes Recht verstoßen und klärt die Öffentlichkeit über Verbraucherrechte, Abzockmaschen und Spartipps auf. 

Aufnahme in den Presseverteiler der Verbraucherzentrale unter: www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/node/14503

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