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Glaukom-Früherkennung

Stand:

Die Glaukom-Früherkennung gehört zu den häufigsten angebotenen und in Anspruch genommenen IGeL-Leistungen. Weil ein wissenschaftlicher Nachweis für den Nutzen der Früherkennungs-Untersuchung fehlt, ist sie nur bei konkretem Krankheitsverdacht oder bei bestimmten Risikofaktoren eine Kassenleistung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Glaukom-Früherkennung besteht aus der Untersuchung des Auges mit dem Spaltlampenmikroskop, der besonderen Untersuchung des Sehnervs sowie der Messung des Augeninnendrucks.
  • Die Glaukom-Früherkennung ist eine Privatleistung, da der Nutzen dieser Untersuchungsmethode wissenschaftlich nicht belegt ist.
  • Liegt ein Verdacht auf ein Glaukom vor oder ein bestimmter Risikofaktor, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.
Ein älterer Mann lässt sich von einem Augenarzt untersuchen
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Das Krankheitsbild

Das Glaukom zählt zu den häufigsten Erblindungsursachen. Der Begriff steht für verschiedene Augenkrankheiten, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. In Deutschland sind etwas 1-2% der Menschen davon betroffen. Die Schädigung am Sehnerv führt zu einer allmählichen Sehminderung, meist unbemerkt sterben Nervenfasern ab. Einschränkungen im Sichtfeld treten vermehrt auf, im schlimmsten Fall kann ein Glaukom zur Erblindung führen. Mit steigendem Alter erhöht sich das Risiko ein Glaukom zu entwickeln.

Was bezahlt die Krankenkasse?

Die Glaukom-Früherkennung besteht aus der Untersuchung des Auges mit dem Spaltlampenmikroskop, der besonderen Untersuchung des Sehnervs und der Messung des Augeninnendrucks. Besteht ein Verdacht auf ein Glaukom, wird der Arzt zusätzlich das Gesichtsfeld messen. Dabei lässt sich feststellen, ob bestimmte Sehbereiche eingeschränkt und bereits blinde Stellen entstanden sind. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Glaukom-Früherkennung, wenn ein begründeter Krankheitsverdacht auf ein Glaukom besteht oder bei bestimmten Risikofaktoren (z.B. bestehender Diabetes oder dauerhafte Kortisoneinnahme). Eine Nachfrage beim Arzt oder bei der Krankenkasse lohnt sich also. Die reine Glaukom-Früherkennung, die sich an gesunde, beschwerdefreie Menschen richtet, wird nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Warum ist die Früherkennung kostenpflichtig?

Nach Analysen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) lässt sich bisher nicht sicher beurteilen, welchen Nutzen eine allgemeine Früherkennung hat, da aussagekräftige Studien bislang fehlen.

Zu dieser Einschätzung kommt auch der IGeL-Monitor, der die Augenspiegelung mit Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung mit „tendenziell negativ“ bewertet hat – aus dem gleichen Grund: Es gibt keine Studien, die die Frage untersucht haben, ob die beiden Untersuchungen zusammen wirklich verhindern helfen, dass Menschen schlechter sehen oder sogar blind werden.

Ob eine allgemeine Früherkennungsuntersuchung (Screening) ab einem bestimmten Alter oder für bestimmte Risikogruppen sinnvoll ist, wurde also bisher noch nicht ausreichend untersucht. Deshalb bezahlen Krankenkassen die Glaukom-Früherkennung nur im begründeten Einzelfall.

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Tipps für Patienten

  • Wenn Ihnen Ihr Augenarzt eine Glaukom-Früherkennung anbietet, dann fragen Sie konkret nach dem individuellen Nutzen.

  • Klären Sie mit Ihrem Arzt und mit Ihrer Krankenkasse, ob bei Ihnen ein Verdacht auf ein Glaukom oder ein bestimmter Risikofaktor vorliegt. Denn dann ist die Untersuchung eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

  • Sofern Sie sich gegen eine Glaukom-Früherkennung entscheiden, müssen Sie den Verzicht gegenüber dem Augenarzt nicht schriftlich bestätigen und auch keine Nachteile bei einer möglichen späteren Diagnose befürchten.

  • Entscheidend ist die Untersuchung des Sehnervs. Die Augeninnendruckmessung allein ist nicht aussagekräftig, weil ein Glaukom auch ohne erhöhten Druck entstehen kann und auch ein erhöhter Augeninnendruck nicht immer mit einem Glaukom einhergeht.

  • Falls Sie die Untersuchung wünschen, fragen Sie vorab Ihren Arzt und Ihre Krankenkasse, in welchen Fällen die Kosten übernommen werden. Das gilt z.B. bei einem bestehenden Diabetes oder dauerhafter Kortisoneinnahme.

Berufsverband der Augenärzte abgemahnt

Der Berufsverband der Augenärzte warb in einer Patienteninformation mit dem Satz, dass die „Sinnhaftigkeit“ dieser Früherkennung „wissenschaftlich belegt“ sei. Diese Aussage hat die Verbraucherzentrale NRW im Februar 2017 erfolgreich abgemahnt. Der Berufsverband der Augenärzte darf demnach nicht mehr mit der Aussage werben, dass die Sinnhaftigkeit der Glaukom-Früherkennung wissenschaftlich belegt sei. Er verpflichtete sich, diese Formulierung zukünftig zu unterlassen. Die Verbraucherschützer forderten auch die Augenärzte selbst auf, diese Formulierung gegenüber ihren Patienten nicht mehr zu verwenden.

Weitere Informationen zur Glaukom-Früherkennung und den Nutzen dieser Untersuchung finden Sie auf den Seiten IGeL-Monitor und Gesundheitsinformation.de.