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Statt Pflegenoten: Neue Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen

Stand:

Das bisherige Noten-System für Pflegeheime wird am 1. November 2019 abgeschafft. An seine Stelle treten ausführlichere Informationen, die in drei Bereichen Auskunft geben. Sie erhalten dann Informationen über die Einrichtung, die Qualität der Pflege und Ergebnisse externer Prüfungen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die sogenannten "Pflegenoten" werden abgeschafft und durch ein neues System ersetzt.
  • Die veröffentlichte Qualitätsdarstellung wird komplexer und komplizierter. Sie bekommen eine ausführlichere Darstellung verschiedener Qualitätsbereiche.
  • Das kann helfen, mehrere Einrichtungen miteinander zu vergleichen und sich dazu die Qualitätsbereiche herauszusuchen, die Ihnen besonders am Herzen liegen.
  • Entscheidend bleibt bei der Suche nach einem passenden Pflegeheim aber: Schauen Sie sich Einrichtungen selbst vor Ort an. Wir geben praktische Tipps dafür.
Eine Krankenpflegerin schiebt einen Rollstuhl, in dem ein älterer Mann sitzt.
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Die neuen Richtlinien für die Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen treten am 1. November 2019 in Kraft. Die derzeit bestehenden Richtlinien (die Pflegenoten) wurden auf der Basis von wissenschaftlichen Studien überarbeitet.

Die derzeit noch gültigen, alten Richtlinien standen immer wieder in der Kritik, weil gute Bewertungen bei weniger wichtigen Kriterien schlechte Bewertungen bei wichtigen pflegerischen Kriterien ausgleichen konnten. Außerdem sind die bisherigen Gesamtnoten nicht aussagekräftig, da die Prüfergebnisse durchweg im guten Bereich liegen.

Wichtig bleibt aus unserer Sicht, sich einen ausführlichen eigenen Eindruck von den Einrichtungen zu machen, die für Sie oder Ihre Angehörigen in Frage kommen. Nehmen Sie sich Zeit für diese Besuche. Sprechen Sie mit der Heimleitung, aber auch mit Bewohnern und Angehörigen.

Eine Checkliste für die Suche sowie wichtige Punkte, auf die Sie achten können, haben wir hier zusammengestellt.

Was ändert sich?

Nun rückt die Versorgungsqualität in den Mittelpunkt: Ausschlaggebend ist, ob der jeweilige Pflegebedürftige seinem individuellen Bedarf und seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend versorgt wird.

Die umstrittenen Pflegenoten werden abgeschafft und durch eine ausführliche Darstellung der Qualität ersetzt.

Wie sieht die neue Qualitätsdarstellung aus?

Die zukünftige Qualitätsdarstellung fußt auf drei Säulen:

  • den strukturellen Einrichtungsinformationen (allgemeine Informationen übers Angebot der Einrichtung),
  • den Qualitätsindikatoren (hier erfasst die Einrichtung selbst die Qualität ihrer Pflege),
  • und den Ergebnissen aus externen Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) beziehungsweise den Verband der privaten Krankenversicherungen.

Die Prüfergebnisse werden in einer kompakten Übersicht dargestellt, die zusätzlich noch einen Vergleich zur vorangegangenen Prüfung enthält. Wie genau das aussieht, finden Sie auf den Seiten der Geschäftsstelle des Qualitätsausschusses Pflege.

Grafik, die die drei Säulen der Qualitätsdarstellung in Pflegeheimen darstellt

Falls die Grafik auf Ihrem Gerät zu klein dargestellt wird, können Sie sie hier in voller Auflösung herunterladen.

Die Ergebnisse werden ab Mitte 2020 veröffentlicht.

Bisher sind die Qualitätsdarstellungen über die Pflegekassen einzusehen. Im Internet finden Sie die Informationen zum Beispiel im Pflegenavigator der AOK sowie im Pflegelotsen des vdek und im PflegeFinder der BKK.

Was sind strukturelle Einrichtungsinformationen?

Die "Informationen über die Pflegeeinrichtung" werden von den Heimen selbst erstellt und können zwölf Bereiche umfassen:

  1. Allgemeine Informationen über die Einrichtung / externe Dienstleistungen
  2. Ausstattung
  3. Spezialisierung / Versorgungsschwerpunkte
  4. Möglichkeiten des Kennenlernens der Einrichtung
  5. Gruppenangebote
  6. Religiöse Angebote
  7. Einbeziehung von Angehörigen
  8. Kontakte der Einrichtung zum sozialen Umfeld / Quartier
  9. Personelle Ausstattung (im Bereich Pflege und Betreuung)
  10. Kooperationsvereinbarungen
  11. Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase
  12. Zusätzliche kostenpflichtige Kooperationen

Diese strukturelle Einrichtungsinformationen sind freiwillige Angaben der Einrichtung. Selbst die personelle Ausstattung der Einrichtung (Punkt 9), wie viele Pflegekräfte in der Einrichtung beschäftigt oder wie diese ausgebildet sind, muss also nicht verpflichtend dargestellt werden.

Was sind Ergebnisindikatoren?

Die Einrichtungen sind an den neuen Qualitätsprüfungen maßgeblich beteiligt: Jede Einrichtung muss zweimal jährlich sogenannte Ergebnisindikatoren erheben. Ergebnisindikatoren sind Kennzahlen, die die Qualität widerspiegeln, wie z.B. die Entstehung von Druckgeschwüren. Sie werden an eine zentrale Datenauswertungsstelle (DAS) übermittelt.

Die zentrale Datenauswertungsstelle wiederum übermittelt der Einrichtung zurück, wo sie im Vergleich mit den anderen Einrichtungen in Deutschland steht. Damit unterstützt sie das interne Qualitätsmanagement des Pflegeheims und soll helfen, gute Qualität und Schwachstellen zu erkennen. Die Einrichtungen ermitteln die Ergebnisindikatoren seit dem 1. Oktober 2019.

Es werden 10 Ergebnisindikatoren in drei verschiedenen Bereichen für die gesamte Bewohnerschaft einer Einrichtung erhoben.

Die drei Qualitätsbereiche sind:

  1. Erhalt und Förderung der Mobilität
    (damit ist die Beweglichkeit gemeint)
  2. Schutz vor gesundheitlichen Schädigungen und Belastungen
    (dazu zählen die Entstehung von Druckgeschwüren)
  3. Unterstützung bei spezifischen Bedarfslagen
    (hinter dieser sperrigen Bezeichnung verbergen sich ganz unterschiedliche Themen, wie z.B. das Integrationsgespräch - das meint: hat sich die pflegebedürftige Person gut eingelebt -, die Fixierung durch Gurte oder Bettseitenteile, aber auch eine aktuelle Schmerzeinschätzung)

Um bestimmte Risikogruppen besser abbilden zu können, werden Menschen mit kognitiven Einschränkungen (also z.B. Menschen mit Demenz oder einer psychischen Erkrankung) und Menschen mit einem hohen Dekubitusrisiko (also mit einem hohen Risiko, sich wund zu liegen) besonders betrachtet.

Das bedeutet: der Qualitätsindikator "Erhaltene Mobilität" wird in zwei Untersuchungsgruppen geprüft, nämlich für Bewohner ohne kognitive Einbußen und für Bewohner mit mindestens erheblichen kognitiven Einbußen.

Ähnlich verhält es sich bei dem Qualitätsindikator Dekubitusentstehung: Hier werden die Bewohnergruppen mit einem geringen Dekubitusrisiko und die Bewohnergruppen mit einem hohen Dekubitusrisiko separat betrachtet.

Nachfolgend sehen Sie die Ergebnisindikatoren im Überblick:

Grafik, die Ergebnisindikatoren für Pflegeheime erklärt

Falls die Grafik auf Ihrem Gerät zu klein dargestellt wird, können Sie sie hier in voller Auflösung herunterladen.

Der ermittelte Durchschnittswert kann von der Einrichtung noch kommentiert werden, denn es ist möglich, dass ein Versorgungsschwerpunkt auf z.B. "Demenz" dazu führt, dass die Einrichtung in manchen Bereichen (Sturz, Gewichtsverlust, Selbstständigkeit) schlechter abschneidet.

Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, sendet die Datenauswertungsstelle ebenfalls einen Bericht an den MDK (für die Qualitätsprüfung).

Die Veröffentlichung der ersten Ergebnisse ist ab Mitte 2020 geplant.

Die Ergebnisse der Qualitätsindikatoren der Pflegeheime werden künftig je Indikator in einer Skala von "weit über" bis "weit unter" dem Durchschnitt veröffentlicht:

Bewertungssystematik für die Indikatoren

Was ist die externe Qualitätsprüfung?

Die externe Qualitätsprüfung wird, wie bisher auch, regelmäßig oder anlassbezogen durch ein Team von Prüfern des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) oder der PKV (Verband der Privaten Krankenversicherung) durchgeführt.

Wichtig zu wissen

Regelprüfungen werden zukünftig einen Tag vorher angekündigt. In der Prüfung wird eine Stichprobe von neun Bewohnern geprüft. Die Teilnahme ist freiwillig, die betroffenen Bewohner (oder Betreuer) müssen dazu ihre Einwilligung geben.

Zwanzig der überprüften Qualitätsaspekte fließen in die veröffentlichten Ergebnisse ein. Dabei liegt das Gewicht auf bewohnerbezogenen Kriterien, bezogen auf die Versorgungsqualität in allen Lebensbereichen. Strukturkriterien (also das, was die Einrichtung vorhalten muss) treten in den Hintergrund, ebenso wie reine Dokumentationsauffälligkeiten.

Ein Qualitätsdefizit liegt vor, wenn für den Bewohner ein Risiko oder sogar eine negative Folge entstehen würde.

Darüber hinaus werden die von der Einrichtung erhobenen Ergebniskriterien mittels Stichprobe auf Korrektheit überprüft. Dadurch sollen Falschangaben bei der Datenerhebung durch die Einrichtungen verhindert werden. Dabei müssen die Beteiligten die Daten der Bewohner besonders gut schützen.

Die Prüfergebnisse werden in einer vierstufigen Skala mit Quadraten dargestellt und reichen von "keine oder geringe Qualitätsdefizite" (vier gefüllte Quadrate) bis hin zu "schwerwiegende Qualitätsdefizite" (ein gefülltes Quadrat).

Erklärung für die Symbole bei den Prüfergebnissen

siehe auch "Wie sieht die neuen Qualitätsdarstellung aus?"

Wann geht's los mit den neuen Prüfungen?

Die Schulung der Pflegeeinrichtungen für das neue indikatorengestützte Verfahren und die hierfür notwendigen Datenerhebungen sollen Ende 2019 abgeschlossen sein.

Die externen Qualitätsprüfungen auf der Grundlage der neuen Richtlinien beginnen im November 2019. Ziel ist es, bis Ende 2020 alle stationären Pflegeeinrichtungen einmal durch den MDK oder den Prüfdienst der PKV zu prüfen. Die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen werden auf den Webportalen der Pflegekassen veröffentlicht. Ab Mitte 2020 werden auch die Ergebnisse von Qualitätsindikatoren veröffentlicht.