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Gentechnik: Risiken für die Umwelt

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Wechselwirkungen zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und der Umwelt, sind wesentlich komplexer als lange Zeit angenommen worden ist. Es gibt etliche Beobachtungen, die Anlass zur Sorge geben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Werden gentechnisch veränderte Pflanzen und Organismen in die Umwelt gebracht, ist dieser Prozess nicht mehr umkehrbar.
  • Genpflanzen sind in der Lage, ihre Erbanlagen auf andere Pflanzen zu übertragen - mit unklaren Folgen für das Ökosystem.
  • Resistente Schädlinge und Superunkräuter richten enormen Schaden in der Umwelt an und sind ein riesiges Problem für die Landwirtschaft.
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Sind gentechnisch veränderte Pflanzen einmal in die Welt gesetzt, lassen sie sich nicht mehr zurückholen: sie können sich aktiv ausbreiten, vermehren, ihre gentechnisch veränderten Eigenschaften an andere Organismen weitergeben und sich gegenseitig beeinflussen, mit allen, noch größtenteils unerforschten Folgen für Umwelt, Tiere und Menschen.

Zwar müssen neuartige gentechnisch veränderte Produkte vor der Zulassung auf ihre Unbedenklichkeit für Mensch, Tier und Umwelt überprüft werden, doch zahlreiche Wissenschaftler bezeichnen die heutigen Vorschriften zur Risikobewertung als nicht ausreichend. Die Verbraucherzentrale unterstützt daher deren Forderung nach umfangreicheren Sicherheitsprüfungen.

Gentransfer auf Wildpflanzen

Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen können ihre neuen Eigenschaften auf wildlebende Verwandte übertragen. Dies ist zum Beispiel von herbizidresistentem Raps auf Rübsen belegt. Das bedeutet, dass nun die in der Landwirtschaft unerwünschten Wildpflanzen ("Unkraut") den entsprechenden Unkrautvernichtungsmitteln standhalten können - mit der Folge, dass weitere Spritzmittel zu deren Bekämpfung ausgebracht werden müssen. Negative Auswirkungen auf nützliche Insekten, Krabbler und die Artenzusammensetzung des Bodenlebens sowie die Artenvielfalt insgesamt sind insbesondere bei wiederholten Anwendungen von Totalherbiziden zu beobachten.

Unkontrollierte Ausbreitung von Genpflanzen

Anders als von den Unternehmen erwartet, hat sich gezeigt, dass gentechnisch veränderte Samen über Jahre im Boden keimfähig bleiben: In Schweden wurden noch nach 10 Jahren Pflanzen von Gen-Raps auf einem Versuchsfeld gefunden.

Immer wieder wird wild wachsender transgener Raps entdeckt. In einigen Fällen trugen die Pflanzen mehrfache gentechnische Veränderungen, ein Hinweis darauf, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen miteinander fortpflanzen. Welche ökologischen Folgen sich durch diese Genpflanzen ergeben, ist noch unklar.
Weltweit sind Beispiele für die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen über Transportwege, Umladestationen, verunreinigtes Vogelfutter dokumentiert.
In Deutschland kam es zur Aussaat von verunreinigtem Raps-Saatgut.

Superunkräuter

Die massenhafte Anwendung von Glyphosat, einem Spritzmittel gegen Unkräuter zum Beispiel beim Anbau von Gen-Soja, hat dazu geführt, dass weltweit vermehrt glyphosatresistente Superunkräuter auftreten. Als Folge kommt in den Anbauländern mehr Chemie zum Einsatz.

Die Biotech-Industrie entwickelt als Antwort weitere gentechnisch veränderte Pflanzen, die Mehrfachresistenzen gegen verschiedene Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel) besitzen. Teilweise werden Resistenzen gegen "alte" Herbizide,  zum Beispiel Auxine eingebaut, dagegen sind bereits viele Unkrautarten weltweit resistent. Es stellt sich die Frage, wie lange dieses Prinzip funktionieren kann und wie sich die hier in Gang gesetzte Spirale weiter entwickelt.

Resistente Schädlinge

Die Zahl resistenter Schädlinge steigt in einem bedrohlichem Ausmaß. In den USA werden Maiswurzelbohrer mehr und mehr resistent gegen Bt-Mais. Dieser Mais bildet auf Grund seiner gentechnischen Veränderungen Bt-Toxine gegen Schädlinge. Als Folge der Resistenzbildung werden auf den Bt-Mais-Feldern zusätzliche Spritzmittel eingesetzt. Auch in mehreren Bundesstaaten in Brasilien sind Bt-Mais-Pflanzen betroffen. Hier befällt der Baumwollkapselbohrer mit einer Resistenz gegen Bt-Toxine die Maiskolben. Bt-Toxine zählen zu den wenigen Mitteln, die im ökologischen Landbau angewendet werden dürfen. Eine vermehrte Resistenzentwicklung hat fatale Folgen für die biologische Schädlingsbekämpfung im ökologischen Landbau.

Kritisch werden auch Insekten gesehen, die ihr gentechnisch verändertes Erbgut in natürlichen Insekten-Populationen unkontrolliert, möglicherweise auch auf andere Tiere und Pflanzen, verbreiten (sogenannte "Gene Driver", zum Beispiel bei Mücken, die Malaria übertragen).

Negative Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen

An MON810, einem gentechnisch verändertem Mais, der das für Insekten giftige Bt-Toxin produziert, wurden mittlerweile die meisten Untersuchungen durchgeführt. Beschrieben sind negative Auswirkungen - nicht nur auf den Maiswurzelbohrer oder den Maiszünsler, gegen den das Gift gedacht ist, sondern auch auf Schmetterlingsraupen und andere Nicht-Zielorganismen wie Bodenlebewesen, Wasserorganismen, Raubinsekten und Honigbienen.

Hinsichtlich der Giftwirkung der so gebildeten Bt-Toxine bleiben viele offene Fragen. Die Folgen für das Ökosystem sind noch nicht abschätzbar, ebenso für die Gesundheit von Mensch und Tier.