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Ashwagandha: Welche Wirkung hat es und wo können Gefahren liegen?

Stand:
Ashwagandha – das klingt nach innerer Balance, nach besserem Schlaf und Stressresilienz. Die Verbraucherzentralen zeigen, was diese Nahrungsergänzungsmittel können und für wen sie gefährlich sind.
Eine Schale mit Ashwagandha-Pulver, einem Nahrungsergänzungsmittel

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die in der Werbung beschriebenen Wirkungen von Ashwaghanda sind für die jeweiligen Nahrungsergänzungsmittel nicht belegt.
  • Ashwagandha ist nicht geeignet für Kinder, Schwangere, Stillende und Personen mit einer Lebererkrankung.
  • Achtung bei Herz- oder Schilddrüsenerkrankungen sowie Diabetes.
  • Wechselwirkungen mit diversen Medikamenten sind möglich.
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Was genau ist Ashwangandha? 

Ashwagandha ist ein sogenanntes Adaptogen. Das sind pflanzliche Stoffe, meist aus Kräutern oder Wurzeln, die den Körper dabei unterstützen sollen, besser mit psychischem und körperlichem Stress umzugehen. Ein weiterer Vertreter dieser Adaptogene ist der Rosenwurz

Ashwangandha, auch Withania somnifera, Schlafbeere, Winter Cherry oder Indischer Ginseng, ist eine Arzneipflanze aus dem asiatischen Raum. Verwendet werden dort Wurzel und Wurzelextrakte.

In der traditionellen indischen Medizin wurde sie zur Behandlung von

  • Bronchitis,
  • Oberbauchbeschwerden (Dyspepsie),
  • Impotenz,
  • Scabies (Krätze) und
  • Geschwüren
  • sowie möglicherweise auch zur Abtreibung verwendet. 

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Wurzelextrakt unter anderem als Schmerzmittel, Fiebersenker und Malariamittel genutzt. 

In der ayurvedischen Medizin gelten die Wurzeln als lebensverlängernd, verjüngend sowie beruhigend. Als Tonikum wird Ashwagandha eingesetzt, um Lernen und Gedächtnis zu fördern und Beschwerden im Alter zu lindern.

Was steckt hinter der Werbung zu Ashwagandha? 

Besser schlafen, weniger Stressgefühle, mehr Energie, leistungsfähiger, High Performance - und das alles durch einen Pflanzenstoff, der aus der traditionellen asiatischen Heilkunde kommt. 

Was erst einmal gut und natürlich klingt, hat allerdings einen Haken: Für Nahrungsergänzungsmittel ist – anders als bei Arzneimitteln - nicht vorgeschrieben, welcher Teil einer Pflanze oder welche Extrakte verwendet werden müssen. 

Eine Marktanalyse der Verbraucherzentrale NRW von 2026 zeigt: Viele Ashwagandha-Nahrungsergänzungsmittel enthalten getrocknete und gemahlene Pflanzenteile wie Kraut und Blüten, geschnittene und getrocknete Wurzeln oder einen standardisierten Extrakt verschiedener Extrakthersteller. Wichtig dabei: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Deshalb dürfen sie auch keine medizinische Wirkung haben. 

Zur tatsächlichen Wirkung gibt es keine Studien. Daher lassen sich keine verlässlichen Aussagen machen. Oft handelt es sich eher um Marketing als um belegte Wirkungen. 

Krankheitsbezogene Aussagen wie Hilfe bei Kopfschmerzen oder Tinnitus, Reduzieren von Entzündungen, Minderung von Depressionen oder Linderung von Muskelkater sind für Lebensmittel grundsätzlich verboten.

Was macht Ashwagandha so problematisch? 

Viele der Wirkungen, die Influencer:innen bei Ashwagandha besonders hervorheben, sind gleichzeitig besonders riskant. Dazu gehören:

  • Auswirkungen auf das Immunsystem,
  • die Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit, weil der Testosteronspiegel beeinflusst werden kann,
  • Auswirkungen auf die Schilddrüsenhormone,
  • die Hemmung der Acetylcholinesterase. Dieses Enzym sorgt normalerweise dafür, dass Nervensignale schnell wieder abgeschaltet werden. Wird es gehemmt, können Nerven dauerhaft gereizt sein. Das wird zwar gezielt therapeutisch genutzt, zum Beispiel bei Alzheimer, kann aber auch toxisch wirken. 

Außerdem gibt es aus ganz Europa zahlreiche Berichte über mögliche Leberschäden nach Einnahme von Ashwagandha. Genannt werden unter anderem wie Müdigkeit, Schwäche, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Juckreiz sowie dunkler Urin und Gelbsucht. Die Beschwerden traten teils nach einer Woche, teils erst nach Monaten auf. Auch Durchfall und Benommenheit wurden gemeldet. In einem Fall kam es sogar zu akutem Leberversagen mit notwendiger Lebertransplantation. 

Derzeit prüft die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten die Risiken von Ashwagandha. In einigen EU-Ländern, etwa in Dänemark, ist diese Pflanze aktuell verboten. In anderen Ländern wie Polen gelten Höchstmengen. Wieder andere Länder wie Frankreich schreiben Warnhinweise vor. Eine europaweit einheitliche Regelung gibt es bislang nicht.

In Deutschland liegt die Verantwortung derzeit allein beim Hersteller. Er muss sicherstellen, dass sein Nahrungsergänzungsmittel unbedenklich sich ist. Eine behördliche Prüfung vor der Markteinführung findet nicht statt. 

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Ashwagandha-Nahrungsergänzungsmitteln achten? 

  • Kinder, Schwangere, Stillende und Personen mit einer Lebererkrankung sollten Ashwagandha-Produkte nicht zu sich nehmen.
  • Kaufen Sie keine Produkte ohne den vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Warnhinweis. Fehlt der Hinweis, spricht das nicht für einen verantwortungsvollen Hersteller.
  • In Frankreich wird außerdem empfohlen, dass Menschen mit Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen kein Ashwagandha nehmen sollten.
  • Auch Frauen mit Kinderwunsch sollten auf Ashwagandha verzichten. In einer sehr frühen Schwangerschaft könnte es das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.
  • In der Zutatenliste sollte klar stehen, welche Pflanzenteile enthalten sind. Einfach nur "Ashwagandha-Pulver" ist zu wenig.
  • Die empfohlene Tagesdosis sollte maximal drei Gramm Ashwagandha oder maximal 10 Milligramm Withanolide betragen.
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich. Sie sollten keine Nahrungsergänzungsmittel mit Ashwagandha nehmen, wenn Sie Beruhigungsmittel, Schlafmittel oder Antiepileptika nutzen.
  • Bei Menschen mit Diabetes könnte Ashwagandha den Blutzucker zu stark senken.

Was sind Withanolide? 

Die Schlafbeere gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Sie wächst in trockenen Gebieten der Tropen und Subtropen, zum Beispiel auf den Kanaren, im Mittelmeerraum, in Nordafrika und Südwestasien. 

Die Pflanzenteile sind in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neu: Tees aus der Wurzel wurden in der EU bereits vor 1997 als Lebensmittel verwendet. 

Wichtige Bestandteile sind sogenannte Withanolide und verschiedene Alkaloide. Es ist unklar, ob und wie Withanolide im Körper wirken – zum Beispiel, ob sie in Hormone umgewandelt werden oder an Hormonrezeptoren andocken können. 

Alkaloide wie das giftige Solanin kommen auch in anderen Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln oder Tomaten vor. Tropanalkaloide finden sich ebenfalls in bestimmten Unkräutern auf Getreideäckern. Bei der Ernte können sie ins Getreide und so in getreidebasierte Lebensmittel gelangen. Zu den am besten untersuchten Vertretern dieser Stoffgruppe gehört das Atropin.


Quellen: