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Einkaufen ohne Verpackungsmüll – fünf Tipps gegen überflüssiges Plastik

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Beim Verpackungsmüll ist Deutschland kein Vorreiter, im Gegenteil: Europaweit sind wir in der Spitzengruppe der Müllerzeuger.
  • Plastik ist dabei ein besonders großes Problem: Dieser Müll nimmt zu. Gelangt er durch falsche Entsorgung  in die Natur, wird er nur sehr langsam zersetzt. Ein eigentlicher Abbau findet nicht statt. Winzige Plastikpartikel, sog. Mikroplastik, sind wasserunlöslich, schwer abbaubar und können sich in Organismen anreichern.
  • Mit unseren fünf Tipps können Sie überflüssiges Plastik in Ihrem Alltag beim Einkaufen vermeiden.
Unverpackte Lebensmittel ohne Plastikverpackungen
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Mülltrennung ist für viele in Deutschland eine Selbstverständlichkeit und Recycling kein Fremdwort. Trotzdem: Die Verpackungsberge steigen an und haben 2016 mit über 18 Millionen Tonnen einen neuen Höchststand erreicht. Auch europaweit gehört Deutschland – leider – zur Spitzengruppe der Erzeuger von Verpackungsmüll.

Unnötige Mehrfachverpackungen wie Umverpackungen von Kosmetikdosen oder -tuben, Mogelverpackungen, die mehr Inhalt vortäuschen, oder aufwändige Verpackungen, die vorrangig der besseren Vermarktung dienen, sind keine Seltenheit.
Besorgniserregend ist die Zunahme beim Plastikmüll, vor allem durch die Zunahme der Außer-Haus-Verpackungen. Denn Kunststoffe werden nur sehr langsam abgebaut. In der Natur kann dies Jahrzehnte dauern, bei Plastikflaschen laut Umweltbundesamt sogar Jahrhunderte. Sie zerfallen in immer kleinere Partikel, die zu großen Teilen ins Meer gelangen. Selbst in abgelegenen Meeresregionen schwimmen deutlich sichtbar viele Plastikteile über die gesamte Tiefe des Meeres verteilt. Meerestiere und Vögel verschlucken Plastikteile und verhungern. Nicht zuletzt landen mikroskopisch kleine Kunststoffe, so genanntes Mikroplastik, über die Nahrungskette früher oder später wieder auf unseren Tellern. Mikroplastik wurde bereits in Fischen, Muscheln, Trinkwasser, Milch und Honig gefunden.

Wenn Sie sich zu Umwelt- und Gesundheitsfragen rund um Plastik schlau machen wollen, finden Sie hier umfangreiche Hintergrundinformationen. Eine gute Informationsquelle ist auch das Umweltbundesamt. Gegen all das Plastik kann jeder einen Beitrag leisten.

Fünf Tipps für den Einkaufsalltag

1. Beim Einkaufen auf wiederverwendbare Taschen achten

Setzen Sie beim Einkauf auf unverpackte Waren oder auf wenig und umweltverträgliche Verpackung:

  • Trotz des guten Images sind Papier und Biokunststoffe für Beutel keine wirklich umweltfreundliche Alternative.
  • Für den Alltag gibt es eine einfache Richtschnur: Nutzen Sie wiederverwendbare, langlebige Verpackungsformen wie die bewährten Stoffbeutel. Praktisch und aus ökologischer Sicht noch besser sind auch leichte Taschen aus Polyester, die sich klein verpacken und in Rucksack oder Handtasche immer mitnehmen lassen.
  • Und falls Sie die Mehrwegtasche beim letzten Spontankauf nicht dabei hatten: Werfen Sie saubere Einwegtaschen nicht gleich weg, sondern nutzen Sie sie mehrfach.

2. Auf dünne Tüten bei loser Waren verzichten

Die so genannten „Hemdchentüten“ für loses Obst und Gemüse haben stark zugenommen. Auch Papiertüten sind wegen ihrer aufwändigen Herstellung ökologisch nicht unproblematisch. Und oft sind die Waren sogar schon in der Supermarktauslage in Plastik und Pappe verpackt.

Dabei können Sie es sich eigentlich ganz einfach machen: Viele Obst- und Gemüsesorten können Sie unverpackt einstecken. Als Alternative bieten sich kleine Stoffbeutel mit Zugband an, die sich auch für andere trockene Produkte wie Brot oder Getreide eignen. Sie werden in Bioläden und im Internet angeboten. Do-it-yourself-Fans stellen sie selbst aus Stoffresten her und können online auf zahlreiche Nähanleitungen zurückgreifen.

Mit Zugbeuteln sparen Sie übers Jahr sehr viele Tüten ein. Allein für Ihre Sonntagsbrötchen sind das um die 50 Papiertüten.


3. Läden mit unverpackten Waren ausprobieren

Bioläden, Hofläden oder Wochenmärkte sind eine gute Anlaufstelle für den Kauf von unverpackten Waren. In den „Unverpackt-Läden“ ist der Verzicht auf Einwegverpackungen Konzept. Sie bieten lose Ware an, die Sie in Ihre eigenen, mitgebrachten oder wiederverwendbaren Behälter abfüllen können.

Hier finden Sie eine breite Produktpalette wie Getreide und Müsli, Kaffee und Tee, Hülsenfrüchte, Öle und Gewürze, Putz- und Waschmittel. Angenehmer Nebeneffekt: Sie kaufen nur die Menge, die Sie wirklich brauchen.

  • Das Konzept ist nicht verpackungsfrei, spart aber jede Menge Abfall, vor allem Plastikmüll.
  • Testen Sie, ob ein verpackungsarmer Einkauf in Ihren Einkaufsalltag passt. Die richtigen Mehrweg-Verpackungen müssen Sie schon zu Hause einstecken und mitnehmen. Und manchmal müssen Sie weitere Wege in Kauf nehmen. Läden in Ihrer Nähe können Sie online recherchieren.
  • Sie benötigen keine speziellen, standardisierten Gefäße. Ihre Mehrwegbehälter werden vor dem Einkauf gewogen.

4. Die eigene Verpackung an die Theke mitbringen: So klappt’s mit der Hygiene

Ist es erlaubt, die eigene Verpackung an eine Supermarkttheke mitzubringen? Und wie steht es mit der Hygiene? In der Tat gibt es hier einige Diskussionen. Die Hygienevorschriften sind streng und der Bereich hinter der Theke ist eigentlich tabu für fremde Materialien. Denn Ihre mitgebrachten Boxen können innen oder außen verunreinigt sein und damit Lebensmittel kontaminieren. Es ist aber nicht explizit verboten, mitgebrachte Boxen zu füllen.

Inzwischen haben sich mehrere Praktiken entwickelt, um diese Problematik zu umgehen:

  • Die Ware (z. B. Brot) wird über die Theke direkt an die Kunden gereicht, teilweise mithilfe von Papier oder einer Zange. Der Kunde verstaut den Einkauf.
  • Der Kunde stellt seine Vorratsbox auf ein Tablett auf der Theke. Das Verkaufspersonal füllt sie dort.
  • Die Kunden stellen mitgebrachte Behälter auf eine saubere Unterlage (etwa ein Tablett) auf dem Tresen. Der Angestellte nimmt das Tablett und legt die Ware hinter der Theke in den mitgebrachten Behälter. Danach reicht er das Tablett wieder zurück.
  • Ihren Coffee-to-go-Mehrwegbecher können Sie mittlerweile in vielen Cafés und Bäckereien befüllen lassen. Nachfragen lohnt sich - manchmal gibt es dann sogar Rabatt.

Wichtig ist, dass der Mitarbeiter und Geräte wie Zange oder Löffel nicht mit Ihrer Box in Berührung kommen, sondern nur mit dem sauberen Tablett und der Ware.
Erkundigen Sie sich bei Ihrem Lebensmittelhändler, ob Sie Ihre eigenen Verpackungen mitbringen dürfen. Einen Anspruch hierauf haben Sie jedoch nicht.


5. Auf Plastikflaschen verzichten, Leitungswasser trinken

Das Leitungswasser in Deutschland besitzt eine hohe Qualität. Denn Trinkwasser wird strenger kontrolliert als Mineralwässer und punktet mit weiteren Vorteilen wie einem unschlagbar günstigen Preis. Damit vermeiden Sie jegliche Verpackungen und Sie müssen keine schweren Kisten schleppen. Nach einem Vergleichstest von Trink- und Mineralwässern urteilt die Stiftung Warentest, dass natürliches Mineralwasser vielfach überschätzt wird.

  • Sie können Leitungswasser mit Zitrone oder einem Schuss Obstsaft aufpeppen, wenn Sie mehr Geschmack haben möchten, oder als Tee oder Kaffee genießen. Falls Sie Sprudel mögen, sollten Sie die Anschaffung eines Wassersprudlers überlegen. Unterwegs können Sie an öffentlichen Trinkbrunnen und in vielen Geschäften Leitungswasser kostenlos in Ihre Trinkflasche füllen. Eine Übersichtskarte finden Sie hier.
  • Setzen Sie bei Milch und Milchprodukten wie Joghurt auf Mehrwegsysteme aus der Region.
  • Für Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel gibt es oft Nachfüllpackungen, die zumindest die Abfallmengen verringern. Besser noch: Sie füllen sie in einem Unverpackt-Laden ab.
  • Für andere Getränke wie Säfte, Softdrinks oder Bier leisten Mehrwegflaschen aus Glas (bei regionaler Abfüllung) oder PET einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Abfall.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, dem Wegwerftrend politisch Grenzen zu setzen. Hier können Sie ein Faktenblatt zur Reduzierung von Verpackungsmüll herunterladen.