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Marktcheck: Fertiggerichte und Snacks für Kinder - eine gute Wahl?

Stand:

Tütensuppen mit Tierfiguren, Raviolini oder Quetschies — der Markt bietet eine Vielzahl an fertigen Mittagsgerichten und herzhaften Snacks speziell für Kinder. Diese Angebote versprechen eine bequeme, bedarfs- und altersgerechte Ernährung von Kindern. Aber halten sie diese Versprechen?

Wir haben stichprobenartig 40 verschiedene Produkte auf ihre Eignung als Mittagessen für Kinder bis 6 Jahre überprüft: 16 Komplettgerichte sowie 24 Beilagen und herzhafte Snacks.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Spezielle Kinderlebensmittel sind überflüssig. Kinder ab dem 1. Lebensjahr können die normale Familienkost essen.
  • Märchensuppen, Hähnchennuggets oder andere Kindergerichte und Snacks sind nur eingeschränkt empfehlenswert.
  • Lebensmittel für Kleinkinder mit Altersangabe (1-3 Jahre) müssen gesetzliche Anforderungen erfüllen. Ihre Zusammensetzung ist bedarfsgerecht, wenn auch oft sehr energiearm.
  • Anreicherungen mit Vitaminen und Mineralstoffen sind in Fertiggerichten unsinnig. Sie lassen die Produkte gesünder erscheinen, als sie tatsächlich sind. Vielmehr besteht die Gefahr der Überdosierung.
  • Prozentangaben zum Tagesbedarf an Energie oder anderen Nährwerten auf Verpackungen beziehen sich immer auf einen durchschnittlichen Erwachsenen und führen bei Kinderprodukten in die Irre.
     
Marktcheck Kinder-Convenience Food VZB 2020 Produktauswahl Stichprobe
Produktauswahl der Stichprobe
On

So sieht eine bedarfsgerechte Ernährung von Kindern aus

Kinder sollten ab dem 1. Lebensjahr einmal täglich eine warme Mahlzeit zu sich nehmen. Warme Speisen enthalten in der Regel andere Lebensmittel mit anderen Nährstoffzusammensetzungen als kalte Speisen wie eine klassische Brotmahlzeit.

Idealerweise sollte diese warme Mahlzeit aus folgenden Komponenten bestehen:

  • täglich: Kartoffeln, Nudeln, Getreide oder Hülsenfrüchte, Gemüse oder Salat
  • zwei- bis dreimal pro Woche: Fleisch
  • einmal pro Woche: Fisch

Weitere Ernährungstipps für Kinder finden Sie hier.

Kinder ab dem 1. Lebensjahr benötigen keine "Extrawürste"

Kleinkinder ab dem 1. Lebensjahr können an allen Familienmahlzeiten teilnehmen. Idealerweise sind die Mahlzeiten abwechslungsreich und enthalten möglichst saisonale und regionale Lebensmittel.

Dennoch bieten Hersteller eine Fülle an speziellen Gerichten und Lebensmitteln für Kleinkinder im Alter von 1 bis 3 Jahren in Drogerien und Supermärkten an (siehe Foto "Mittagsgericht von HIPP"). Sie bewerben diese Produkte häufig mit einer kleinkindgerechten Zusammensetzung. Kleinkindprodukte mit einer Altersangabe von 1-3 Jahren unterliegen gesetzlichen Vorgaben. Sie fallen unter die Verordnung über diätische Lebensmittel, die die Zusammensetzung, den Einsatz von Zusatzstoffen und die Kennzeichnung regelt.
 

Mittagsgericht von HIPP für Kinder von 1-3 Jahren (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg HIPP Spaghetti Bolognese 2020

Kinderprodukte ohne eine konkrete Altersempfehlung fallen nicht darunter. Für sie gelten nur die allgemeinen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen. Von einer kindgerechten Nährstoffzusammensetzung kann man bei solchen Produkten nicht zwangsläufig ausgehen. Stattdessen versuchen die Hersteller durch gezielte Werbung wie bunten Bildern oder unsinnigen Vitaminanreicherungen den Anschein zu erwecken, als würde es sich um ein besonders geeignetes Produkt für Kinder handeln (siehe Foto "Gespenstersuppe von Maggi").
 

Gespenstersuppe von Maggi - Bilder und Begleittext suggerieren eine besondere Eignung für Kinder. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Maggi Gespenstersuppe 2020

Nicht jedes Kinder-Fertiggericht eignet sich als vollwertige Mahlzeit

So verschieden die untersuchten Produkte sind, so unterschiedlich fällt auch ihre Bewertung aus. Die Lebensmittel wurden exemplarisch auf ihre Eignung für Kinder bis zu 6 Jahren überprüft. Als wissenschaftliche Grundlage diente dazu das Ernährungskonzept Optimierte Mischkost "optimiX". Es gibt unter anderem Empfehlungen für die Zufuhr von Energie, Fett, Salz oder Vitaminen und zur Lebensmittelauswahl für Kinder in verschiedenen Altersgruppen.

Kleinkinderprodukte mit der entsprechenden Altersangabe (1-3 Jahre) weisen ein weitestgehend gutes Verhältnis von Nährstoffen auf und kommen mit wenigen Zusatzstoffen aus. Sie sind aber insgesamt sehr kalorienarm. Bei den übrigen Kinderlebensmitteln wie Tütensuppen mit Tierfiguren, Hähnchen-Dinos oder Snacks eignet sich nicht jedes als vollwertige Kindermahlzeit. Vor dem Kauf solcher Produkte lohnt ein Blick auf die Kalorienangabe und den Fett- und Salzgehalt.

Kleinkindergerichte für 1-3-Jährige: Gut zusammengesetzt, aber oft zu energiearm

Die meisten Produkte in unserem Marktcheck sind speziell für Kleinkinder im Alter von 1-3 Jahren ausgewiesen. Die Balance zwischen dem Gehalt an Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen ist bei ihnen kindgerecht und auf geltende Empfehlungen abgestimmt. Da sie der Verordnung über diätische Lebensmittel unterliegen, sind die Nährstoffzusammensetzung und der Einsatz von Zusatzstoffen reglementiert.

Die untersuchten Kleinkinderlebensmittel sind jedoch zu energiearm. Statt der nach "optimiX" empfohlenen 300 kcal je Mittagsmahlzeit enthalten die Produkte nur Energiewerte zwischen 153 kcal und 213 kcal pro Portion (siehe Foto "Babydream Kinderteller"). Mit dem Verzehr solcher Fertiggerichte nehmen Kinder also gerade einmal die Hälfte der empfohlenen Energiemenge auf. Die Hersteller folgen bei der Produktion den gesetzlichen Vorschriften der EU-Richtlinie für Beikost, dies führt eben zu dieser geringen Energiedichte. Werden Kinder aber von der Mittagsmahlzeit nicht satt, bekommen sie schnell Appetit auf "mehr". 

Um Naschattacken vorzubeugen, können Eltern fertigen Kleinkindermenüs etwas hochwertiges, geschmacksneutrales, natives Öl (zum Beispiel Sonnenblumen- oder Rapsöl) zugeben.

Einige der untersuchten Kleinkinderprodukte sind außerdem zu salzreich. Kinder im Alter von 1-3 Jahren sollten nach den WHO-Empfehlungen täglich nur 2 Gramm Salz zu sich nehmen. Zum Teil enthielt eine Mittagsmahlzeit aber bereits 1,2 Gramm Salz. Hier hilft ein Blick in die Nährwerttabelle, denn in der Stichprobe gab es auch Produkte mit 0,35 Gramm Salz je Mahlzeit.
 

Babydream "Kinderteller Buntes Gemüse" mit Reis und Hühnchen ist mit 153 kcal zu energiearm für ein Mittagessen. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Babydream Kinderteller 2020

Kindergerichte ohne Altersempfehlung: Nicht bedarfsgerecht

Kinder-Fertiggerichte ohne konkrete Altersempfehlung müssen keine besonderen gesetzlichen Anforderungen einhalten. Das führt zu einer ungesunden Zusammensetzung der Lebensmittel: Laut unserem Marktcheck haben Kinder-Ravioli oder Tütensuppen mit Tierfiguren ein ungünstigeres Verhältnis zwischen Kohlenhydraten, Fetten sowie Eiweißen und enthalten häufig zu viel Salz.

Beispiel RAVIOLINI von Maggi: Mit 1,72 Gramm Salz je empfohlener Portionsgröße von 200 Gramm ist bereits mehr als die Hälfte des Tagesbedarfs eines 4-6-Jährigen von 3 Gramm gedeckt. Darüber hinaus ist die Herstellerempfehlung von 200 Gramm pro Mahlzeit unrealistisch klein.

Der Vergleich der RAVIOLINI mit den herkömmlichen Ravioli des Herstellers zeigt zudem: In der Kindervariante sind der Energie- und Fettgehalt leicht reduziert, nicht aber der Zuckeranteil. Dieser ist pro 100 Gramm deutlich höher.

Prädikat: Nicht kindergerecht.
 

RAVIOLINI (links) haben mehr Zucker als das Vergleichsprodukt Ravioli für Erwachsene (rechts). (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Maggi Raviolini Vergleich 2020

Beispiel Tierfigurensuppe: Maggi bietet auch speziell auf die Zielgruppe Kinder ausgerichtete Instantsuppen an. Außer einer kindlichen Aufmachung mit lustigen Namen ("Gespenstersuppe", "Rittersuppe" oder "Märchensuppe") und den dazu passenden Nudelmotiven gibt es jedoch kaum einen Unterschied zu den Vergleichsprodukten ohne Kinderbezug.

Die Gehalte an Fett, Salz und den anderen Nährwerten sind fast identisch, obwohl Kinder einen geringeren Bedarf als Erwachsene haben. Der Salzgehalt ist pro Portion mit 1,6 Gramm außerdem sehr hoch. Trotzdem wirbt der Hersteller damit, für seine Kinderprodukte strenge Nährwertkriterien von Ernährungsexperten und Institutionen einzuhalten.

Urteil der Verbraucherzentrale: Instantsuppen liefern vergleichsweise wenig Energie und eignen sich weder in ihrer herkömmlichen noch in der Kindervariante als vollwertige Mahlzeit.

Fertige Tütensuppen lassen sich mit frischem oder tiefgefrorenem Gemüse wie Möhren oder Erbsen und frischen Kräutern ergänzen und werden dadurch aufgepeppt.

Die Tierfigurensuppe von Maggi: Für Kinder zu salzig. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Maggi Tierfigurensuppe Werbung und Salzgehalt 2020

Beilagen und Snacks für Kinder: Nur geschickt kombiniert eine ausgewogene Mahlzeit

Eine große Produktauswahl gibt es auch bei Beilagen und Snacks für Kinder: vom Instant-Risotto über fertige Tomatensaucen, Trockenmischungen für Gemüsebratlinge oder Snacks wie panierte Hähnchen- oder Fischfiguren in Tiermotiven oder gefüllte Toasts. Sie allein sind aber kein vollständiges Mittagessen. Es kommt immer darauf an, mit welchen anderen Lebensmitteln sie kombiniert werden.

Beilagen und Saucen: Sinnvolle Ergänzung, aber Vorsicht beim Salzgehalt

Fertige Tomaten- und Bolognesesaucen als Beilage zu Reis oder Nudeln können durchaus eine vollwertige Mittagsvariante sein. Bei einigen Produkten der Stichprobe fällt aber erneut der relativ hohe Salzgehalt auf. Er variiert zwischen 0,3 Gramm und 1,9 Gramm Salz je 100 Milliliter Tomatensauce. In Abhängigkeit von der Portionsgröße und den möglichen Beilagen, wie zum Beispiel (gesalzene) Nudeln, kann schnell der Tagesbedarf von 3 Gramm Salz je Tag eines 4- bis 6-Jährigen gedeckt oder überschritten werden. Hier lohnt beim Einkauf der vergleichende Blick in die Nährwerttabellen.

Die untersuchten Trockenmischungen für Bratlinge oder Risotto, die der Handel als Kinderprodukte anbietet, sind in der Nährwertzusammensetzung recht gut.

Herzhafte Snacks: Wer sie selbst macht, spart Kalorien und Zusatzstoffe

Weitaus schlechter schnitten herzhafte Snacks wie Hähnchen-Dinos, panierte Fischfiguren oder gefüllte Toastscheiben für Kinder ab.

Beispiel "Ferdie Fuchs Super Toooast" von Stockmeyer: Die verschiedenen herzhaften Varianten des "Ferdie Fuchs Super Toooast" sind viel zu energiereich und salzhaltig. Zwei Toasts enthalten bereits über 400 kcal. Sie überschreiten damit deutlich die empfohlene Energiemenge, die ein Kind im Alter von 4-6 Jahren mit einem Mittagessen aufnehmen soll.

Gleich sieben verschiedene Zusatzstoffe setzt der Hersteller diesem Produkt zu, darunter Emulgatoren, Konservierungsstoffe, Stabilisatoren und Säuerungsregulatoren. Gleichzeitig gibt er Calcium und Vitamine zu, um die Toasts attraktiver oder gesünder erscheinen zu lassen (siehe Foto "Ferdie Fuchs Super Toooast mit Käse-Schinken-Füllung").
 

"Ferdie Fuchs Super Toooast mit Käse-Schinken-Füllung" enthält Calcium und Vitamine für einen gesünderen Anstrich. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Stockmeyer Ferdie Fuchs Super Toast Zutatenliste 2020

Beispiel "Hähnchen-Dinos" von Land Mark: Die untersuchten Hähnchennuggets enthalten ebenfalls zu viel Energie und Salz. Würde ein Kind (4-6 Jahre) 100-150 Gramm der Hähnchennuggets gemäß der Portionsempfehlung des Herstellers essen, so hätte es bereits 70 Prozent der empfohlenen Energiemenge für ein Mittagessen zu sich genommen — obwohl es sich nur um eine Komponente des Essens handelt. Mit Beilage wird das Essen zu energiereich, ohne Beilagen ist es sehr unausgewogen.

Das wissenschaftlich erarbeitete Ernährungskonzept "optimiX" empfiehlt für 4-6-Jährige eine Fleischmenge von täglich 35 Gramm. Bei Portionsempfehlungen verschiedener Hersteller von 100-150 Gramm ist selbst bei einem Fleischanteil von nur 65 Prozent die Tagesmenge deutlich überschritten.

Im Übrigen unterscheiden sich die die Kinderprodukte in ihrer Nährwertzusammensetzung kaum von den Vergleichsprodukten.
 

Land Mark Hähnchen-Dinos - Portionsempfehlung des Herstellers ist nicht kindgerecht. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Land Mark Hähnchen-Dinos Nährwerttabelle 2020

Tipp: In kleinen Mengen zusammen mit Kartoffeln, Nudeln oder Reis und Gemüse können Hähnchennuggets und Fischfiguren auch mal zum Mittagessen auf den Tisch kommen.

Die bessere Alternative ist es, sie selbst aus frischem Fleisch oder Fisch ohne Panade zuzubereiten.

Gemüse-Quetschies: Besser Kauen und Löffeln

Quetschies sind aus den Regalen im Supermarkt kaum noch wegzudenken. Sie gibt es in verschiedenen süßen Varianten: aus Obst mit Getreide, Quark oder Joghurt. Neuerdings bieten Hersteller auch Varianten mit verschiedenen Gemüsen an. Das Angebot reicht von Gurken gemischt mit Früchten bis zu reinen Gemüse-Quetschies aus Karotten, Süßkartoffeln und Erbsen.

Als Zwischenmahlzeit sind die Gemüse-Quetschies prinzipiell gut geeignet. Die meisten Produkte kommen ohne Zusatzstoffe und mit sehr wenig Salz aus. Im Vergleich zu den Obst-Quetschies ist auch der Zuckergehalt deutlich geringer.

Trotzdem ist es sinnvoller, Kleinkindern frisches Gemüse als Rohkost zum Knabbern oder gegart zum Löffeln anzubieten. Das Kauen fördert bei Kleinkindern die Mund- und Zungenmotorik. Das unterstützt wiederum die Sprachentwicklung. Durch das bewusste Löffeln erkennen Kinder auch besser, ob und wann sie satt sind.

Vor diesem Hintergrund ist die Werbeaussage des Herstellers auf der Verpackung "Wir möchten Dir helfen, gute Essgewohnheiten zu entwickeln" (siehe Foto "Gemüse-Quetschies Freche Freunde") eher fraglich. Zu guten Essgewohnheiten zählt eben nicht nur, was sondern auch wie wir essen.
 

Gemüse-Quetschie "Freche Freunde": Als Zwischenmahlzeit okay, fördert aber keine guten Essgewohnheiten. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Freche Freunde Gemüse-Quetschies Werbung 2020

Irreführend: Referenzwerte für Erwachsene machen bei Kinderprodukten keinen Sinn

Viele Produkte in unserem Marktcheck enthalten Angaben, wie viel Prozent des Tagesbedarfs an Energie oder Nährwerten mit 100 Gramm des Lebensmittels oder einer Portion aufgenommen werden. Dabei wählen einige Hersteller besonders kleine Portionen, um ihre Produkte "gesünder" zu rechnen — denn dann erscheint der enthaltene Fett- oder Salzgehalt deutlich niedriger.

Das größte Problem: Die Prozentangaben beziehen sich immer auf einen durchschnittlichen Erwachsenen mit einem Tagesbedarf von 8400 kJ / 2000 kcal. Bei Produkten für Kinder macht das keinen Sinn und verwirrt beim schnellen Lesen, denn Kinder benötigen weniger Energie und Nährstoffe als Erwachsene. Bei Kinderlebensmitteln ist gesetzlich jedoch nicht vorgeschrieben, dass Hersteller geeignete Bezugswerte angeben.

Beispiel RAVIOLINI von Maggi: Eine Portion deckt den Salzbedarf eines Erwachsenen nur zu 28 Prozent. Umgerechnet auf die Empfehlung für Kinder im Alter von 4-6 Jahren deckt diese Portion aber bereits 57 Prozent des Salzbedarfes. 
 

Die Fußnote zeigt: Die Prozentangabe bezieht sich auf einen durchschnittlichen Erwachsenen und nicht auf den Bedarf eines Kindes. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-Convenience-Food VZ Brandenburg Maggi Raviolini Referenzmenge 2020

Überflüssig: Vitaminanreicherungen sind unnötig oder sogar problematisch

Energiereiche Snacks mit Vitaminen anzureichern und ihnen Werbebotschaften wie "Vitamin B6 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei" oder "Pantothensäure trägt zu einer normalen geistigen Leistung bei" dienen Herstellern oft als Verkaufsargument und sollen das Produkt zusätzlich als besonders gesund anpreisen. Wer auf eine ausgewogene Ernährung achtet, benötigt aber keine Produkte mit derartigen Anreicherungen.

Zudem beziehen sich die in der Nährwerttabelle angegebenen Vitamingehalte auch hier auf Erwachsene und nicht auf Kinder. Bei übermäßigem Verzehr besteht die Gefahr einer deutlichen Überdosierung. So kann die übermäßige Aufnahme bestimmter Vitamine wiederum die Aufnahme von lebenswichtigen Mineralien blockieren. Auch unerwünschte Wechselwirkungen sind möglich.

Beispiel "Ferdie Furchs Super Toooast Käse-Schinken" von Stockmeyer: Bei einigen zugesetzten Vitaminen wird der empfohlene Tagesbedarf von Kindern teilweise stark überschritten. So decken 100 Gramm Toast zu 150 Prozent den Bedarf an Vitamin E, ebenfalls zu 150 Prozent den Bedarf an Vitamin B6 und zu 267 Prozent an Biotin eines 4-6-jährigen Kindes.
 

Beim Toast sind viele Vitamine zugesetzt. Die angegebenen Prozentangaben zum Tagesbedarf beziehen sich auf einen durchschnittlichen Erwachsenen und nicht auf Kinder. (c) Verbraucherzentrale Brandenburg
Marktcheck Kinder-C.F. Stockmeyer Ferdie Fuchs Super Toast Vitamingehalte 2020 (c) VZB

Umgerechnet auf die Bedarfe der Kinder wird erst deutlich, dass die zugesetzten Vitamine teilweise deutlich zu hoch sind.

Durchschnittliche Werte je 100 Gramm (entspricht gut einem Toast)
  Menge an Vitaminen Bedarf für einen durchschnittlichen Erwachsenen* Bedarf für Kinder 4 bis 6 Jahre**
Vitamin E 12 mg 100 % 150 %
Niacin 6,7 mg 42 % 74 %
Pantothensäure 5,4 mg 90 % 135 %
Vitamin B6 0,75 mg 53 % 150 %
Thiamin 0,39 mg 35 % 56 %
Folsäure 57 µg 28 % 41 %
Biotin 40 µg 79 % 267 %
Calcium 314 mg 39 % 42 %
    *Referenzmenge nach den Vorgaben der Lebensmittelverordnung ** Referenzmenge nach den D-A-CH-Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr

 

Marktcheck: Methodik und Bewertungsgrundlagen

Im Jahr 2019 untersuchte die Verbraucherzentrale Brandenburg in einer Stichprobe 16 Komplettmenüs sowie 24 Beilagen und herzhafte Snacks. Alle Fertigprodukte richteten sich speziell an Kinder. Sie erfüllten mindestens eines der folgenden Kriterien:

  • Aufschrift "für Kinder" oder "Kids"
  • auf Kinder zugeschnittene Gestaltung der Verpackung, zum Beispiel mit Comicfiguren oder bunten Bildern und Farben
  • spezielle Formung, zum Beispiel als Tier- oder Comicfigur
  • Aufkleber, Sammelbilder oder Spielfiguren als Geschenk zum Lebensmittel
  • speziell an Kinder gerichtete Werbung oder entsprechende Internetauftritte der Hersteller.

Im Vordergrund stand die Frage, ob sich die ausgewählten Lebensmittel als ausgewogene Mittagsmahlzeit für Kinder bis 6 Jahren eignen. Dazu wurden die Nährwerte, Zusatzstoffe, Kennzeichnung sowie die Bewerbung (Verpackungsgestaltung, Werbebotschaften) dieser Produkte betrachtet. Auch der Zusatz von Vitaminen und Mineralien flossen in die Bewertung ein.

Die Komplettmahlzeiten wurden auf Grundlage der anerkannten Empfehlungen des Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) in Bochum (Optimierte Mischkost „optimiX“) bewertet. Demnach sollten 26 Prozent der benötigten Tagesenergiemenge auf die Mittagsmahlzeit entfallen. Die Gesamt-Proteinmenge eines Tages sollte zu 32 Prozent mit dem Mittagessen abgedeckt sein, die Gesamt-Fettmenge zu 31 Prozent, die Gesamt-Kohlenhydratmenge zu 22 Prozent und die Zufuhr an zugesetztem Zucker nur zu 3 Prozent.

Der Salzgehalt wurde auf der Grundlage der WHO-Empfehlungen bewertet. Demnach sollten Kinder im Alter von 1-3 Jahren täglich nur 2 Gramm Salz und Kinder im Alter von 4-6 Jahren 3 Gramm Salz aufnehmen. Hier finden Sie dazu mehr.

Für die Bewertung von zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen wurden die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (sogenannte D-A-CH-Referenzwerte) herangezogen, für die die Fachgesellschaften für Ernährung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für unterschiedliche Altersgruppen Empfehlungen erarbeitet haben. 

Die Beilagen und Snacks der Stichprobe wurden nicht – wie die Komplettmahlzeiten – nach dem Ernährungskonzept „optimiX“ bewertet, weil es sich bei ihnen nicht um vollwertige Gerichte handelt. Für die Bewertung wurden generell der Einsatz von Zusatzstoffen, die Energie- und Salzgehalte, Anreicherungen mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie Verpackungsgestaltung und Werbemaßnahmen der Hersteller betrachtet.