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Vorsorgevollmacht – Vertretung im Notfall

Stand:
  • Als Volljähriger sollten Sie darüber nachdenken, eine Vorsorgevollmacht zu erteilen – auch Ehepartner oder andere Familienangehörige vertreten sich nicht automatisch.
  • Die Vorsorgevollmacht verfassen Sie schriftlich; eine notarielle Beurkundung ist nur unter bestimmten Umständen erforderlich.
  • Es gibt geeignete Formulare, die Sie als Vorsorgevollmacht verwendet werden können.
Recht und Gesetz
Kümmern Sie sich um Ihre rechtliche Vorsorge.
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Wofür benötige ich eine Vorsorgevollmacht? Welche Bereiche umfasst sie?

Mit einer Vorsorgevollmacht beauftragen Sie eine andere Person, als Vertreter/in in Ihrem Interesse zu handeln und Entscheidungen zu treffen, falls Sie selbst dazu vorübergehend oder dauerhaft nicht in der Lage sind. Dies kann zum Beispiel nach einem Unfall oder während einer schweren Erkrankung der Fall sein. Die Entscheidungen betreffen die Bereiche Gesundheitssorge und Pflege, Aufenthalt und Wohnungsangelegenheiten, Vermögenssorge und ggf. weitere Angelegenheiten des täglichen Lebens. Empfehlenswert ist eine Vorsorgevollmacht bereits ab Vollendung des 18. Lebensjahrs, denn zu diesem Zeitpunkt endet die gesetzliche Vertretung durch die Eltern. Ohne ausdrückliche Bevollmächtigung sind die Eltern nach Eintritt der Volljährigkeit also nicht mehr automatisch befugt, ihr Kind zu vertreten. Beachten Sie, dass auch Ehepartner sich nicht automatisch gegenseitig vertreten. Auch sie benötigen eine Vorsorgevollmacht für den Ernstfall.

Wen bevollmächtige ich?

Sie sollten nur eine Person bevollmächtigen, der Sie uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen. Dies kann der Ehepartner, ein Verwandter oder ein guter Freund sein. Die Person sollte allgemein in der Lage sein, sich um Ihre Angelegenheiten zu kümmern. Auch kann es im Einzelfall sinnvoll sein, mehrere Bevollmächtigte (zum Beispiel für unterschiedliche Bereiche oder als Ersatz) zu benennen. Da hier Risiken lauern können, empfiehlt sich eine individuelle Beratung.

Welche Form soll die Vorsorgevollmacht haben?

Wir empfehlen Ihnen, die Vollmacht schriftlich festzuhalten. Sie müssen sie eigenhändig unterschreiben.
Die Vollmacht sollten Sie nicht an Bedingungen, wie schwere Krankheit o.ä. knüpfen. Denn dies kann zu Beweisschwierigkeiten im Alltag führen, die die Vollmacht im schlechtesten Fall unbrauchbar machen.
Das Bundesjustizministerium für Justiz und für Verbraucherschutz sowie das Brandenburger Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz bieten Musterformulare an.

Muss ein Notar die Vorsorgevollmacht erstellen?

Möchten Sie mit der Vollmacht auch Grundstücksverträge, Verträge über Eigentumswohnungen, die Übertragung von Firmenanteilen oder die Aufnahme eines Darlehens umfassend absichern, empfehlen wir eine notarielle Beurkundung der Vorsorgevollmacht.

Akzeptiert die Bank eine Vorsorgevollmacht?

Grundsätzlich können Sie auch die Vermögenssorge in Bankangelegenheiten in einer Vollmacht regeln. Damit Sie sicherstellen, dass Ihr Bevollmächtigter im Ernstfall auch wirklich auf Ihr Konto zugreifen kann, empfehlen wir eine rechtzeitige Abstimmung mit Ihrer Bank. Fragen Sie nach, ob Ihre Bank eine einfache schriftliche Vollmacht anerkennt oder ob Sie zusätzlich eine hauseigene Vollmacht verwenden müssen. Dies vermeidet spätere juristische Auseinandersetzungen.

Wie bewahre ich die Vorsorgevollmacht auf? Muss ich sie registrieren lassen?

Haben Sie die Vollmacht erstellt, empfiehlt es sich, diese – zum Beispiel in der eigenen Wohnung – so aufzubewahren, dass der Bevollmächtigte ohne Probleme im Ernstfall darauf zugreifen kann.
Eine Registrierung ist nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist, dass der Bevollmächtigte im Ernstfall weiß, wo die Vollmacht im Original aufbewahrt wird und dass er unproblematisch an diese gelangt. Können Sie dies nicht sicherstellen, kann es sinnvoll sein, die Vollmacht zu registrieren. Informationen hierzu finden Sie auf der Seite der Bundesnotarkammer.

Was passiert, wenn ich keine Vorsorgevollmacht habe?

Wenn Sie keine Vorsorgevollmacht haben und in eine Situation, in der Sie beispielsweise wegen eines Unfalls oder einer Krankheit keine Entscheidungen für sich treffen können, benötigen Sie vorübergehend oder dauerhaft einen Betreuer. Um die Auswahl des Betreuers kümmert sich das zuständige Amtsgericht.
Wichtig: Wenn eine Vorsorgevollmacht vorhanden ist, benötigen Sie keinen Betreuer. Die Entscheidungen über Ihre Pflege, Wohnsituation und Finanzen fallen dann der Person zu, die Sie per Vorsorgevollmacht bestimmt haben.

Was ist eine Betreuungsverfügung?

Sie können auf die Auswahl des Betreuers mit einer Betreuungsverfügung einwirken: In einer Betreuungsverfügung können Sie festlegen, welche Person durch das zuständige Gericht als Betreuer bestellt werden soll. Auch können Sie in einer solchen Verfügung zum Beispiel festlegen, wen Sie auf keinen Fall als Betreuer wünschen. Das Gericht weicht in der Regel nur dann von Ihren Wünschen ab, wenn triftige Gründe vorliegen. Das kann passieren, wenn die von Ihnen gewünschte Person selbst erkrankt ist und die Betreuung nicht übernehmen kann.
Weitere Informationen zur Betreuungsverfügung finden Sie z.B. auf der Webseite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.

Was ist der Unterschied zwischen einer Vorsorgevollmacht und einer Betreuungsverfügung?

Sie sollten entweder eine Vorsorgevollmacht erstellen, um eine Person Ihres Vertrauens zu bevollmächtigen, sich in Ihrem Sinne um Ihre Angelegenheiten zu kümmern. Diese Person kann dann automatisch für Sie tätig werden. Ein Gericht muss sich nicht damit beschäftigen – Ihre Entscheidung gilt.
Oder Sie entscheiden sich für eine Betreuungsverfügung: Diese kommt zum Tragen, wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt. Mit der Betreuungsverfügung teilen Sie dem Gericht mit, wen Sie sich als Betreuer wünschen. Diese Person wird dann in einem Verfahren vor Gericht zu Ihrem Betreuer ernannt.