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Tötung von Eintagsküken: Diese Alternativen gibt es

Stand:

Wer Eier von speziellen Initiativen kauft, kann den frühen Tod männlicher Küken verhindern. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass das Töten "vorübergehend" noch mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Männliche Küken dürfen nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert werden – so lange, bis die Geschlechtsbestimmung im Ei serienreif ist. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am 13. Juni 2019 entschieden.
  • Für ein paar Cent mehr gibt es heute schon Eier von Produzenten, die auch männliche Küken aufziehen.
  • Das erste Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei wurde inzwischen vorgestellt, ist aber noch nicht serienreif.
Eintagskücken
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Männliche Küken von Legehennen legen natürlich keine Eier und setzen im Vergleich zu Masthühnern nur sehr langsam Fleisch an. Deshalb lohnt sich die Mast nicht. Daher werden sie schon nach dem Schlüpfen getötet. Das betrifft alle Haltungsformen – auch die "Brüder" der Bio-Legehennen.

In Deutschland werden jedes Jahr rund 45 Millionen männliche Küken auf diese Weise "entsorgt". In Nordrhein-Westfalen sollte das Töten der so genannten Eintagsküken schon seit Anfang 2015 zu Ende sein – doch Gerichte hatten einen entsprechenden Erlass des Umweltministeriums wieder gekippt. Als letzte Instanz hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 13. Juni 2019 entschieden, dass männliche Küken vorübergehend weiterhin nach dem Schlüpfen getötet werden dürfen. "Da voraussichtlich in Kürze Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen werden, beruht eine Fortsetzung der bisherigen Praxis bis dahin auf einem vernünftigen Grund", erklärt das Gericht in seiner Pressemitteilung.

Überblick über Initiativen, die die Brüder der Legehennen aufziehen

Wer Eier konsumiert, hat aber einige Alternativen, um das frühe Töten zu verhindern. Das Prinzip ist bei allen gleich: Der Eier-Preis beinhaltet einen Aufschlag, mit dem die teure Mast der Legehennen-Brüder quersubventioniert wird. Durch Zuschuss aus dem Eier-Verkauf bleibt das Fleisch der Hähne bezahlbar. Einige Initiativen, die bundesweit oder in weiten Teilen Deutschlands aktiv sind, stellen wir nachfolgend vor. Darüber hinaus gibt es weitere regionale Initiativen. Wir bitten um Verständnis, dass wir keinen abschließenden Überblick geben können.

  • Die Geflügelhalter der "Bruderhahn Initiative Deutschland" (BID) sind Demeter- und Biolandbetriebe. Die Bruderhähne werden nach Richtlinien aufgezogen, die in Teilen über die Anforderungen von Demeter und Bioland hinausgehen. Die Eier kommen aus sieben Bundesländern zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg und zwischen NRW und Sachsen. Auf der BID-Internetseite gibt es eine Liste mit den Verkaufsstellen.
  • Die "basic Bruderherz-Initiative" zieht die Bruderhähne nach Bioland-Richtlinien mit auf. Die Eier sind bundesweit in allen Basic-Biomärkten erhältlich, sie stammen aus Bayern und Baden-Württemberg.
  • In den denn's Biomärkten bundesweit und in Alnatura-Märkten in NRW kann man die Eier der Initiative "Haehnlein" kaufen. Edeka Rhein-Ruhr (NRW) bietet nach eigener Aussage an, in allen 700 Filialen auf individuelle Nachfrage der Kunden Haehnlein-Eier zu beschaffen. Auch hier werden die Bruderhähne unter ökologischen Bedingungen – mindestens nach den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung – mit aufgezogen. Die Eier kommen aus Mecklenburg-Vorpommern.
  • Des Weiteren findet man in Alnatura-Märkten Eier der "Bruderküken-Initiative". Ziel dieser Initiative ist es, dass für alle Eier der Marke Alnatura die männlichen Geschwisterküken mit aufgezogen werden.
  • Die SuperBioMärkte bieten in ihren Läden Eier der "Initiative Bruder-Ei" an. Die Eier stammen von einem Bioland- oder Naturlandhof aus der Region des SuperBioMarktes. Der Mehrerlös der Bruder-Eier von 4 Cent pro Ei fließt direkt in Aufzuchtsprojekte der Initiative Bruder-Ei.
  • Das erste Pilotprojekt im konventionellen Bereich wurde 2016 von der Rewe-Gruppe initiiert: "Spitz & Bube". Dort werden sowohl den Legehennen die Schnäbel nicht gekürzt (daher der Name: Spitz), als auch die männlichen Küken mit aufgezogen. Die Legehennen leben in Freilandhaltung und sie erhalten wie ihre Brüder gentechnikfreie Futtermittel. Ihre Brüder werden nicht unter ökologischen Bedingungen aufgezogen, sondern konventionell, jedoch mit mehr Platz im Stall. Sie werden rund 80 Tage lang gemästet. Angesichts des großen Erfolgs wurde das Projekt nun auf weitere Haltungsformen ausgeweitet. Seit März 2018 gibt es die "Spitz & Bube"-Eier aus Bodenhaltung in allen teilnehmenden Rewe-Märkten deutschlandweit.
  • Als erster Discounter hat Penny mit seiner Eiermarke "Herzbube" eine Alternative zum Kükentöten angeboten. Die männlichen Küken werden mit aufgezogen und es wird auch auf das Kürzen der Schnäbel der Legehennen verzichtet. Alle Herzbube-Eier stammen aus Bodenhaltung und sind deutschlandweit erhältlich.
  • Auch Aldi Süd bietet mit "Henne & Hahn!" in den Filialen St. Augustin, Eschweiler und im Großraum Bonn bzw. Aachen Eier aus Bodenhaltung an, deren Brüder mit aufgezogen werden. Die Brüderhähne bekommen genau wie ihre Schwestern gentechnikfreies Futter und Beschäftigungsmaterial wie z. B. Picksteine und Heuballen. Die Schnäbel der Brüderhähne sind wie die der Legehennen nicht gekürzt. Die Aufzucht der Hähne dauert rund 12-16 Wochen.
  • Ein anderer Ansatz ist die Haltung von so genannten Zweinutzungsrassen. Die männlichen Hühner werden gemästet und die Hennen legen Eier. Weder im Fleischansatz noch in der Legeleistung erzielen sie Höchstleistungen, doch dafür dürfen beide Geschlechter leben. Leider gibt es bisher in NRW nur einzelne kleine Angebote.
    Einzelne kleinere Initiativen sind uns aus Süddeutschland und der Region Berlin bekannt. So arbeitet das Projekt "ei care" seit 2011 mit Hühnern der Rasse "Les Bleues". Auf "Naturland"-Biohöfen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern legen die Hennen Eier und die Hähne werden aufgezogen. Eier und Fleisch werden in Bioläden in Berlin und den benachbarten Bundesländern verkauft.

Gerichte erlauben das Töten weiterhin

Bereits 2013 hatte der Landwirtschaftsminister NRW einen Erlass mit Bezug auf das Tierschutzgesetz (TierSchG) ausgegeben, der den Brütereien das Töten der Eintagsküken in NRW verbieten sollte. Am 20. Mai 2016 hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster in einem Grundsatzurteil diesen Erlass gekippt.

Das OVG entschied, dass das Töten der männlichen Eintagsküken direkt nach dem Schlupf nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße. Das Tierschutzgesetz erlaube das Töten von Tieren, wenn dafür ein vernünftiger Grund vorliege. Das Gericht befand, ein vernünftiger Grund liege vor, da die Aufzucht der männlichen Küken mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden sei. In der Urteilsbegründung heißt es: Die Tötung der Küken sei "daher Teil der Verfahren zur Versorgung der Bevölkerung mit Eiern und Fleisch".

Da eine Revision gegen dieses Urteil nicht zugelassen wurde, haben die Kreise Gütersloh und Paderborn auf Veranlassung des NRW-Umweltministeriums im August 2016 Beschwerde eingelegt. Im Januar 2017 wurde bekannt, dass das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Revision zugelassen hat. Die Verhandlung hat am 16. Mai 2019 stattgefunden. Das Urteil wurde am 13. Juni verkündet und erlaubt das weitere Töten von Eintagsküken vorübergehend. Hier lesen Sie die Pressemitteilung dazu.

Geschlecht soll schon im Ei bestimmt werden

Das Bundeslandwirtschaftsministerium finanziert die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Damit soll zukünftig das Ausbrüten und Schlüpfen männlicher Küken verhindert werden.

Zurzeit werden zwei unterschiedliche Verfahren gefördert:

  • Beim endokrinologischen Verfahren werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird von jedem Ei etwas Flüssigkeit gewonnen, ohne dass das Ei-Innere berührt wird. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt.
  • Beim spektroskopischen Verfahren werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.

Ein Video des Bundeslandwirtschaftsministeriums stellt die Methoden der Geschlechtsbestimmung im Ei anschaulich dar.

Das "Seleggt-Verfahren"

Im November 2018 hat das Ministerium das sogenannte "Seleggt-Verfahren" der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist das erste "marktreife" Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Ab 2020 soll das patentrechtlich geschützte Verfahren, das das endokrinologische Verfahren ist, den ersten Brütereien zur Nutzung angeboten werden.

Die ersten Eier, die von Legehennen gelegt wurden, die mit Hilfe des Seleggt-Verfahrens erzeugt wurden (das heißt, dass die Brüder der Legehennen nicht getötet, sondern nach dem 9. Tag in der Brüterei aussortiert wurden), sind in Berlin in Rewe und Penny-Märkten erhältlich. Es handelt sich um Freilandeier von ca. 20.000 Legehennen. Die REWE Group plant bereits für das Jahr 2019 den Verkauf der so genannten "respeggt-Freiland-Eier" auf alle rund 5500 REWE- und PENNY-Märkte in Deutschland auszudehnen. Die 6er-Packungen Eier sind mit den Schlagworten "respeggt" und "ohne Kükentöten" gekennzeichnet.