Grenzüberschreitender Alltag fordert Orientierung
Studie im Auftrag der Verbraucherzentrale / Diskussion mit Expert:innen in Berlin
Eine aktuelle Studie der Verbraucherzentrale zeigt am Beispiel von Migrant:innen: Es reicht nicht aus, dass Rechte und Informationen vorhanden sind. Entscheidend sind Orientierung und Handlungssicherheit. Dazu und zu weiteren grenzüberschreitenden Herausforderungen diskutiert die Verbraucherzentrale am 11. Juni 2026 bei der Fachveranstaltung „Digital, krisenfest, grenzenlos – Verbraucher stärken in Europa“ im Bundesjustizministerium.
Eine von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Auftrag gegebene qualitative Studie untersucht den Verbraucheralltag von ukrainischen Schutzsuchenden. Die Ergebnisse zeigen, dass Schwierigkeiten im Alltag weniger durch Sprachbarrieren entstehen, sondern vor allem dort, wo die Menschen komplexe Vertrags-, Verwaltungs- und Rechtssysteme einordnen und praktisch anwenden müssen.
So berichten viele Teilnehmende der Fokusgruppe von Unsicherheiten darüber, welche Institution für welches Anliegen zuständig ist und welche Schritte zuerst notwendig sind. Mehrere Studienteilnehmende beschreiben Unterschiede zwischen den aus der Ukraine bekannten Leistungsmodellen und dem deutschen Versicherungs- und Gesundheitssystem. Unterschiede in Vertragslogiken führen häufig zu Unsicherheit bei der Einschätzung von Leistungen und Verpflichtungen. Zudem wird deutlich, dass viele Betroffene vor allem auf informelle Netzwerke und digitale Kanäle zurückgreifen, während offizielle Informationsangebote häufig eine geringere Rolle spielen.
Diskussion mit Expert:innen
Wie Verbraucher:innen in einer zunehmend mobilen, digitalen und vielfältigen Gesellschaft besser unterstützt werden können, steht im Mittelpunkt der heutigen Fachveranstaltung „Digital, krisenfest, grenzenlos – Verbraucher stärken in Europa“ der Verbraucherzentrale Brandenburg im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin. Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Beratungspraxis diskutieren aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze.
Ein gemeinsamer Befund der Expert:innen: Verbraucherrechte allein reichen nicht aus – wichtig ist, dass Menschen tatsächlich Zugang zu ihnen haben. Nur wenn Informationen verständlich, erreichbar und praktisch nutzbar sind, können Verbraucher:innen ihre Rechte im Alltag wirksam wahrnehmen.
„Für die Verbraucherzentrale folgt daraus der Auftrag, Verbraucherinformationen und Beratung weiter konsequent zugänglich zu machen – sprachlich, digital und praktisch. Entscheidend ist nicht die Menge an Informationen, sondern dass sie die Menschen im Alltag erreichen und leicht umsetzbar sind“, sagt Christian Rumpke, Vorstand der Verbraucherzentrale Brandenburg.
Hintergrund:
Die Studie „Verbraucheralltag von Ukrainer:innen in Deutschland“ (Unveröffentlicht) wurde im März und April 2026 im Auftrag der Verbraucherzentrale Brandenburg durch das Sinus-Instutut durchgeführt. Methode: Qualitative Studie mit zwei Online-Fokusgruppen à 90 Minuten, Durchführung auf Ukrainisch mit begleitender englischer Übersetzung. Qualitative Analyse entlang zentraler Themenfelder und Thesen der Verbraucherzentrale. Zielgruppe: Ukrainische Schutzsuchende mit Deutschkenntnissen auf A1/A2-Niveau, Teilnehmende aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, Stichprobe: zwei Fokusgruppen mit jeweils fünf Teilnehmenden, Streuung nach Alter, Geschlecht und Region.
Studie und Fachkonferenz werden im Rahmen des Projektes „Digi-Help“ gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Das Projekt hat eine Laufzeit von Januar 2025 bis Juni 2026.
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