Politik: Von der Lebensmittelverschwendung zur Wertschätzung

Stand: 03. August 2026

2019 hat die Bundesregierung die „Nationale Strategie gegen Lebensmittelverschwendung“ vorgestellt. Die Lebensmittelabfälle sollen bis 2030 halbiert werden. Dabei setzt die Politik allein auf Freiwilligkeit der Wirtschaft.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach fast 10 Jahren Diskussion beschloss die Bundesregierung 2019 eine nationale Strategie gegen Lebensmittelabfälle.
  • Dialogforen der beteiligten Wirtschaftsbereiche sollen Abfalldaten und Lösungen bringen.
  • Vom Anbau bis zum Teller: Jedes Jahr entstehen rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle in Deutschland.

10 Jahre Diskussion um Lebensmittelverschwendung

Fast zehn Jahre hat es gedauert: Seit 2010 wird das Thema Lebensmittelabfälle in der Öffentlichkeit lebhaft diskutiert. 2012 haben die Fraktionen im Bundestag in einem gemeinsamen Antrag die wirksame Reduzierung von Lebensmittelabfällen angeregt. Erst im Februar 2019 hat die Bundesregierung aber die "Nationale Strategie zur Verringerung von Lebensmittelabfällen" beschlossen.

Damit sollen die Lebensmittelabfälle gemäß den Globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2030 halbiert werden.

Deutschland will Vorreiter beim Kampf gegen Lebensmittelabfälle werden. Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen soll nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch circa 6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen in Deutschland einsparen und damit einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten.

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Wie viele Lebensmittelabfälle fallen an?

In Deutschland fallen entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette – also vom Acker
bis zum Teller 10,8 Millionen Tonnen an Lebensmittelabfällen an. Die Zahl stammt von 2022. Aktuelle bundesweite Gesamtzahlen liegen bisher nicht vor. 

Die Abfallmengen verteilen sich auf diese verschiedenen Bereiche:

  • 2 Prozent auf die Landwirtschaft (Primärproduktion),
  • 15 Prozent auf die Verarbeitung,
  • 7 Prozent auf den Handel,
  • 18 Prozent auf die Außer-Haus-Verpflegung und
  • 58 Prozent auf die privaten Haushalte.

Lebensmittelverschwendung zwischen Dialog und Freiwilligkeit 

Zwar gibt es viele Studien zu Lebensmittelabfällen. Dennoch bestehen noch erhebliche Datenlücken, zum Beispiel im Bereich der Lebensmittelverarbeitung. Das liegt auch daran, dass die Bundesregierung nur auf freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft setzt. 

Zukünftig werden die Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung jedoch verbindlicher: Auf EU-Ebene gilt inzwischen, dass die EU-Mitgliedstaaten bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in Verarbeitung und Herstellung um zehn Prozent und im Einzelhandel, in Gastronomie, Verpflegung und Haushalten um 30 Prozent senken müssen. Die bisherige Strategie muss künftig stärker mit messbaren Vorgaben und Pflichten zur Umsetzung verbunden werden.

In fünf Dialogforen erarbeiteten die beteiligten Wirtschaftsbereiche und Verbraucherorganisationen selbstverpflichtende Maßnahmen, um Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Vier Dialogforen sind inzwischen abgeschlossen. Das "Dialogforum Private Haushalte" endet im September 2026. Es entwickelte vor allem eine App, die Verbraucher:innen hilft Lebensmittelabfälle im Haushalt zu vermeiden.

Die Initiative "Zu gut für die Tonne!" informiert Verbraucher:innen weiterhin über die Wertschätzung von Lebensmitteln, die Ursachen von Lebensmittelabfällen und Möglichkeiten, diese zu reduzieren. 

Anfang 2022 wurde die Kompetenzstelle Außer-Haus-Verpflegung (KAHV) gegründet, die Unternehmen für ihr Engagement gegen Abfälle durch ein Zertifikat auszeichnet. Die beteiligten Unternehmen erheben ihre Abfallmengen und übermitteln diese an die KAHV. Bis Ende 2024 beteiligten sich 262 Betriebe und Betriebe der Außer-Haus-Verpflegung und wurden durch die KAHV ausgezeichnet. 

Die Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft lief jedoch aus. Seither wird ein Kostenbeitrag von den Betrieben erhoben. Auf der Liste sind aktuell nur noch 131 Betriebe ausgewiesen, die als Vorreiter gelistet sind.

Im Sommer 2023 unterzeichneten 14 Lebensmittelhandelsketten mit dem Bundesernährungsministerium eine freiwillige Vereinbarung die Lebensmittelabfälle bis 2025 um 30 Prozent zu reduzieren. Das Thünen Institut wertet jährlich die übermittelten Informationen aus und bescheinigt dem Lebensmittelhandel eine Reduzierung der Lebensmittelabfälle um 25 Prozent. Einige Händler hatten bereits das Zwischenziel von 30 Prozent erreicht. 

2025 wurde die Kompetenzstelle zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen und -verlusten (KLAV) gegründet, die Ansprechpartner für Unternehmen ist, wenn es um Lebensmittelverluste geht.

Es wird deutlich: Lebensmittelverschwendung geht die gesamte Wirtschaft vom Anbau bis zum Handel und auch alle Verbraucher:innen an. Um erfolgreich dagegen vorzugehen, bedarf es eines stärkeren Bewusstseins für das Problem der Lebensmittelabfälle sowohl in der Land- und Ernährungswirtschaft als auch in den Haushalten. 

Für mehr Fortschritt sind insbesondere verpflichtende Maßnahmen für die Unternehmen notwendig. Auch fehlt es an belastbaren Daten der Lebensmittelverarbeitung und ein Nachweis, welche der vielen freiwilligen Maßnahmen - auch in Haushalten und im Handel - tatsächlich wirken und welche nicht. Durch Informationen und Bildungsmaßnahmen kann mehr Wertschätzung für Lebensmittel geschaffen und der Verschwendung langfristig entgegengetreten werden.

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