Wie es um den Zugang zu Bargeld in Brandenburg bestellt ist, diskutierte die Verbraucherzentrale am 20. April 2026 in ihrem digitalen Politik-Format mit Landtagsabgeordneten, der Bundesbank, Ministeriumsvertreter:innen, dem Seniorenrat sowie Interessierten.
Fazit der Veranstaltung aus Sicht der Verbraucherschützer: Bargeld ist unverzichtbar für gesellschaftliche Teilhabe und Wahlfreiheit beim Bezahlen.
Dr. Christian A. Rumpke, Vorstand der Verbraucherzentrale Brandenburg: „Die Zahl der Bankfilialen und Geldautomaten in Brandenburg hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert – trotz der besonderen Verantwortung der Sparkassen für die Versorgung der Menschen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Landesregierung die Bereitstellung von Geldzugangspunkten endlich konkret im Brandenburgischen Sparkassengesetz regelt, damit die Anstalten öffentlichen Rechts dieser Verantwortung auch nachkommen und nicht zu Online-Banken werden.“
Melanie Balzer, SPD-Landtagsabgeordnete: „Für die Menschen in Brandenburg ist Wahlfreiheit auch beim Bezahlen entscheidend. Eine zuverlässige Bargeldversorgung, im ländlichen Raum mindestens durch Automaten, ist unerlässlich.“
Udo Wernitz, SPD-Landtagsabgeordnete: „Es sichert zugleich die Handlungsfähigkeit in Krisensituationen wie Stromausfällen oder Cyberangriffen. Deshalb setzen wir uns für den Erhalt der Bargeldinfrastruktur ein.“
Weite Wege zum Bargeld in Brandenburg
Im Rahmen der Veranstaltung der Verbraucherzentrale stellte Dr. Paul Rudel vom Generaldirektorat Bargeld der Bundesbank die in Brandenburg besonders langen Wege der Bürger:innen vor, die sie zum nächsten Geldautomaten oder zur nächsten Ladenkasse mit Bargeldbezugsmöglichkeit zurücklegen müssen. Eine Wegstrecke von zehn Kilometern und darüber im ländlichen Raum, besonders im Norden und Osten des Landes, sind keine Seltenheit. Im bundesweiten Vergleich fallen in Brandenburg die Entfernungen beim Zugang zu Bargeld damit überdurchschnittlich aus.
Bargeld bleibt Schlüssel zur Teilhabe
Warum eine gute Bargeldinfrastruktur insbesondere für ältere Menschen teilweise unverzichtbar ist, berichtete Sylvia Grande, stellvertretende Vorsitzende des Seniorenrates Brandenburg: „Rund ein Viertel der Bürgerinnen und Bürger in Brandenburg ist inzwischen 65 Jahre oder älter. Für diese Menschen ist eine verlässliche Nahversorgung mit Bargeld besonders wichtig, sei es wegen eingeschränkter Mobilität oder fehlender technischer Ausstattung.“
Verbraucherzentrale ergänzte diese Ausführungen mit Beispielen aus der eigenen Arbeit. Zudem wiesen die Verbraucherschützer auf ein 2023 von ihnen veröffentlichtes verwaltungswissenschaftliches Rechtsgutachten hin. Das Gutachten zeigt konkrete Möglichkeiten zu mehr Verbraucherschutz in den Sparkassengesetzen der einzelnen Bundesländer auf, um Bankfilialen und Geldautomaten auch in der Fläche zu erhalten und den Verbraucherschutz zu stärken.
Hintergrund
Im Rahmen der Veranstaltung „Verbraucherpolitik aktuell: Zugang zu Bargeld im Flächenland – Wahlfreiheit sichern, gesellschaftliche Teilhabe stärken, Infrastruktur erhalten, Krisen trotzen“ der Verbraucherzentrale Brandenburg am 20. April 2026 wurde der aktuelle Stand der Bargeldversorgung in Brandenburg durch die Deutsche Bundesbank vorgestellt und diskutiert.